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Burzum # Filosofem

Viel Zeit war seit dem letzten StreitgesprÀch vergangen, doch nun wurde das DiktiergerÀt wieder hervorgekramt und zur Feier des Tages eine Schachtel Pralinen geöffnet. Es entwickelte sich ein GesprÀch von monströser LÀnge, voller Zoten, Krankheiten, Halbwahrheiten und -weisheiten, GezÀnk und GewÀsch.

Deadleft: Der erste Titel heißt Dunkelheit.

Wehrmut: Was laut Patrick soviel wie Burzum heißt.

D: Beziehungsweise umgekehrt...

W: Je nachdem, von welcher Seite man es betrachtet!

D: Heißt das eigentlich umgekehrt, dass laut Burzum der Patrick Dunkelheit heißt?

W: Ich weiß nicht, ob man das von allen Seiten so betrachten kann.

D: (hysterisch) Spielt mein Name darin ĂŒberhaupt eine Rolle?

W: Nein, Du spielst nie eine Rolle...

D: (lacht gequÀlt) Der war doch eigentlich geheim!

W: (sich berichtigend) Deadleft, Deadleft.

D: Also fĂŒr das Album ist das doch wirklich ein gelungener Auftakt. Stimmst Du mir da nicht zu?

W: Ich stimme dir da zu, ja, Patrick.

D: (ĂŒberrascht) Dir gefĂ€llt das auch?

W: Wenn ich nicht schon von vornherein wĂŒsste, dass die Melodie im Hintergrund in spĂ€teren Liedern im Endlos-Loop laufen wird, dann ja.
Obwohl sich die natĂŒrlich wie ein roter Faden durchs Album zieht.

D: Nee, das hast Du falsch erkannt, denn die Melodie ist dann schon eine andere. Das Instrument ist das gleiche, aber es spielt schon etwas anderes. SpÀter. Also hier dieser Kontrast zwischen den rauschenden verzerrten Gitarren und diesem glockenhellen Klang des Synthesizers; das ist doch schon was wert.

W: Aber nichts Neues.

(GelÀchter)

D: Nenne mir eine vergleichbare Band.

(Schweigen)

W: Naja, so aus dem Hut kann ich...

D: (lacht hÀmisch)

W: Um jetzt mal Kurt Felix zu zitieren: "Um etwas aus dem Ärmel zaubern zu können, muss man vorher etwas hineingesteckt haben."

D: (unglÀubig) Das hat Kurt Felix gesagt?

W: Laut Schmidt.

D: Laut Schmidt Harald?

W: Ja.

D: Mein Lieblingssatz ist dann aber: (rĂŒlpst)

(GelÀchter)

D: Also der jetzt nicht. Ähm, "Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht." Und das ist eindeutig gut gemacht.

(Stille)

D: Wehrmut stimmt vorbehaltlos zu.

W: Ich winde mich noch, um die richtigen Worte zu finden.
Es klingt lieblos.

D: Lieblos?

W: Lieblos.

D: Du möchtest also liebevollen Black Metal?

W: Das ist doch nichts anderes, als drei Gitarrenakkorde, fĂŒnf Pianonoten im Dauerloop aneinander gefĂŒgt. Zwischendrin ein bisschen Mutter-Natur-Text.

D: Du wirfst also vor, es sei monoton?

W: Wohl war.

D: Monotonie ist ein anerkanntes Stilmittel.

W: Aber nicht immer angebracht.

D: (muss lachen)
In diesem Fall schon. Da wirkt das nÀmlich.

W: Manchmal ist es auch zu monoton. Man kann es auch ĂŒbertreiben.

D: Also vor fĂŒnf Minuten hast Du noch gesagt, Dir gefĂ€llt das Lied.

W: Ich habe gesagt, mir gefÀllt das Lied Nummer drei.
(zwickt die Augen zusammen und stiert auf die gekĂŒrzte Playlist im WinAmp-Player) "Erblichkeit des Fim...Fim..." Fimbulwinter wahrscheinlich.

D: Firmament.

W: Ach so.

D: Das Lied hier gefÀllt Dir nicht?

W: Ich finde es langweilig. Es gibt monotone Lieder die mir gefallen, aber nicht von Burzum. Von anderen Gruppen.

D: (bestÀtigt) Aha!

W: Aber dieses ist mir zu langweilig. Es spricht mich nicht an.

D: (belehrend) Das ist doch so: Wenn man irgendwo ein gute Passage hört und die hört nach drei Takten auf, wĂŒnscht man sich, man hĂ€tte sie fĂŒr dreißig Takte gehört.

W: My Dying Bride zum Beispiel.

D: Da ist es manchmal viel zu schnell vorbei?

W: Ja.

D: Und hier tut uns dieser - wer auch immer das Album jetzt gemacht hat - den Gefallen und reiht es aneinander damit wir ja nicht die Schönheit ĂŒbersehen...ĂŒberhören.

W: Von den fĂŒnf Tönen, die er sich irgendwann mal im stillen KĂ€mmerlein ausgedacht hat und seinem großen Geist entsprungen sind in der Kaffeepause zwischen It-Schlitzen und Dead-Essen.

(allgemeines GelÀchter)

D: Also wenn Du den ersten Titel monoton findest, dann...

W: Ich wechsle mal zum zweiten Titel ĂŒber.

D: ...freu ich mich schon ĂŒber Deine Meinung zum Rest.
Jetzt hören wir "Jesus' Tod". Hier ist ĂŒbrigens das Apostroph korrekt gesetzt.

W: Aha, ich sehe das gerade.

D: Nicht, Àhm alltÀglich.

W: Wie kommen Burzum eigentlich dazu, deutsche Titel zu verwenden, Herr Singer?

D: (ĂŒberrascht, dass er angesprochen wird) Ähm, Herr Völler! Ich habe gelesen, in einem Fachblatt, dass der - Wer macht das noch mal, Burzum?

W: Der Herr Burz und der Herr Um! Varg Vikernes?

D: Genau - ...dass dieser Mann begeistert ist von der (ringt um unverfĂ€ngliche Worte) germanischen Geschichte und Mythologie. Und deswegen ... er findet irgendwie Deutschland cool und muss deswegen die Titel auch ĂŒbersetzen.

W: Übersetzt er das selbst oder hat er sich das ĂŒbersetzen lassen?

D: Ja, vom Babelfish-Webtranslator.

(lachen)

D: Nein, ich denke schon, dass er das drauf hat. Oder hatte.

W: Dann können wir ihm ja mal einen Brief schreiben.

D: Lieber...

W: Lieber Varg...

D: ...Christian. Oder Lieber Lars, wie er sich jetzt nennt. (unglÀubig) Nennt er sich jetzt noch so?

W: Lars Christian?

D: Nee, also ich habe in einem anderen Fachblatt gelesen, er hat sich nach einer norwegischen NS-GrĂ¶ĂŸe benannt, die da tĂ€tig war und demzufolge hieß er dann Lars Quilsing Vikernes oder Vikernes Quilsing Lars...

(Es folgt ein Disput ĂŒber die Frage, auf welcher Silbe der Name Vikernes betont wird)

D: "Jesus' Tod".

W: Ja.

D: Ein Meisterwerk. Dieser hypnotische Double-Bass im Hintergrund.

W: Der nur aus zwei Tönen besteht. Was mir hier gefÀllt, ist diese Melodie der Stimme.

D: Du meinst dieses Verzerrte?

W: Nein. (er imitiert irgendwas)

D: Er folgt ja damit den Gitarren. Der SĂ€nger.

W: Ich lass mal weiterlaufen. Was mir hier persönlich nicht gefĂ€llt, sind die großen Pausen zwischen den Gesangsparts.

D: Wenn man nichts zu sagen hat, muss man auch mal ruhig sein.

W: Dann könnte ich das GesprĂ€ch aber auch mit mir alleine fĂŒhren. Das wĂ€re erfolgreicher.

D: (lacht) Da hast du recht.

W: Ich hĂ€tte mir einfach mehr Text gewĂŒnscht. So wirkt das auch sehr...aber es ist wahrscheinlich darauf angelegt, monoton zu wirken.

D: Man muss ja diese Riffs wirken lassen.

W: Das sind keine Riffs, das ist ein Riff.

D: Man muss dieses Riff wirken lassen.

W: Aber nicht zwanzigtausendmal in der Sekunde.

D: Doch! Doch, doch und nochmals doch!

W: Nöcher?

D: Doch und döcher? Man kann das jetzt natĂŒrlich wieder monoton nennen, aber wie ich schon mal an anderer Stelle ausfĂŒhrte - mich deucht, es war an der Ostsee - entwickelt das eine Schwingung.

W: Beim lieben Freund Herrn Turov?

D: Bei dem entwickelt das keine Schwingung.

W: (infantil) Liebe GrĂŒĂŸe!

D: Nein, dieses Lied an sich, dieser Aufbau, der montone.

W: Aber bei mir nur in Verbindung mit dieser Stimmenmelodie.

D: Jeder hat das so seine eigenen BerĂŒhrungspunkte.

W: Ja.

D: (hÀmisch) Wenn du seine Stimme besonders attraktiv findest...dann sei dir das gegönnt.

W: Wenn du so instrumentenfixiert bist...

D: Ich stehe auf tote Objekte.

W: Oder kannst du nicht mehr als ein Riff im Gehirn behalten?

D: Ertappt!

W: Mittlerweile sind vier Minuten vergangen und das Riff ist immer noch das gleiche wie am Anfang.

D: Zu Recht!

(Wir diskutieren ĂŒber die Zahl der Gitarrenspuren und den Informationsgehalt des Booklets)

D: Das ist ĂŒbrigens auch das Prinzip von Sich-in-Trance-begeben.

W: Wenn man alles selber spielt, zur gleichen Zeit?

D: (lacht) Nein, dass man durch Wiederholung, durch ein einlullendes GerÀusch sich in andere Regionen begibt.

W: Das wĂŒrde ja bedeuten, dass der Vikernes den Zuhörer damit in seine "kranke" Gedankenwelt entfĂŒhren möchte.

D: Wieso krank? Hier steht doch sogar der Text dazu. Ich zitiere mal.

W: "Ökk, ökk, de rök. Ökkedök."

D: Verdammt, hier ist es natĂŒrlich gerade in einer Fremdsprache, die ich nicht beherrsche. (versucht den Text von "Jesus' Tod" zu ĂŒbersetzen) "Ich habe heute Kekse gebacken /..."

W: "...und die Blumen blĂŒhen rund auf der Wiese."

D: "Einen dĂŒsteren Salz habe ich gebacken / so kalt"

W: "...am Wanst..."

etc. etc.

D: Also wir halten fest: Wir können hier nicht feststellen, ob das krank ist oder nicht.

W: Ja. Gut, zum nĂ€chsten Titel, der da heißt: "Erblichkeit die Töchter des Firm..." (die Augen werden schwach)

D: (lehrmeisterhaft und mit ĂŒbertrieben korrekter Aussprache) "Erblicket die Töchter des Firmaments".

W: (ablenkend) Ich brauche mal einen neuen WinAmp-Skin. Was wiederum ein guter Beweis dafĂŒr ist, dass helle Schrift auf schwarzem Grund nicht so gut lesbar ist, wie schwarze Schrift auf hellem Grund.

D: Richtig. Wer das dennoch tut, vor allem im Internet, gehört...

W: (resignierend) Augenkrebs.

D: ...der gehört, wenn nicht gar erschossen, dann zumindest...

W: ...gesteinigt. Ja, wir hören ein Schlagzeug, eine Gitarre, ein Riff...

D: Also wenn dir Emperor zu komplex ist, und dort zuviel gleichzeitig passiert und Burzum zu einfach, dann muss quasi deine Traumband irgendwo dazwischen liegen.

W: Nein, es muss aber anders klingen.

D: Mit schön vielen 80er Jahre Synthesizer-Sounds?

W: Nein, das wÀre ja dein Metier.

D: Ach ja.

W: Eher variabel gestaltet mit kleinen Einsprengseln, verschiedenen Instrumenten...so wie Thoth.

(GelÀchter)

D: Thoth ist eine Band, die sich ĂŒber alles lustig macht.

W: So wie wir.

D: So wie wir. Aber wir machen keine Musik und stehen dazu.

W: Weil wir keine Musik machen können. Sonst wÀren wir ja wie Thoth.

D: (messerscharf analysierend) Das Lied ist eindeutig langsamer als das vorherige.

W: Ja. Es gibt keinen Doppel-Bass mehr, sondern nur noch zwei Hits pro Sekunde aufs Schlagzeug. Die Gitarre ist ein Loop.

D: Wenn man ein oder zwei gute Riffs geschrieben hat, dann braucht man kein abwechslungsreiches...

W: Man kann aber nicht behaupten, dass man mit ein oder zwei guten Riffs ein ganzes Album bestreiten kann.

D: Du ĂŒbertreibst maßlos.

W: Ich heiße ja auch Völlerei.

D: Das sind ein oder zwei Riffs pro Lied. Ich verweise nur auf Darkthrone.

W: ...die ja wesentlich melodiöser sind.

D: (entsetzt) Bitte?

W: Im Vergleich hierzu?

D: Ach!

W: Komm!

D: Ach Mummenschanz.

W: Gar nicht wahr.

D: (verwirrt) Ob das "Transilvanian Hunger" ist als das...Ă€h...ob das melodischer ist als "Transilvanian Hunger"...

W: (zeigt auf "A Blaze in the Northern Sky") Soll ich dir's vorspielen?

D: Das ist das falsche Album.

W: Aha!

D: Das ist dagegen noch zu komplex. Auch wenn es schon recht einfach war.

W: Du kannst ja nicht pauschalisieren. Das mußt du schon dazusagen.

D: Ich hatte dann doch noch ergÀnzt: "Transilvanian Hunger".

W: Ach so. Ich glaube, das habe ich schon getauscht.

D: Gegen?

W: Ich weiß nicht. (poserhaft) Dimmu Borgir.

D: (lacht hÀmisch)

W: Ich glaube sogar mit dir.

D: (lacht entrĂŒstet)

W: Oder? Habe ich dir das nicht verkauft?

D: "Transilvanian Hunger"? Nein. Die hattest du nie gehabt.

W: Doch, die hatte ich mal.

D: Nein, "A Blaze in the Northern Sky" hattest du mal.

W: Ich hatte aber auch noch eine andere. (wendet sich wieder der Musik zu) Das grenzt schon fast an Doom Metal.

D: Nur weil es langsamer ist als Marduk, ist es kein Doom Metal.

W: Alle sind langsamer als Marduk.

D: Bis auf...Mysticum.

W: Gibt es zu diesem Titel noch etwas zu sagen? Ich glaube nein.

D: Ich glaube doch. Man sollte hier vielleicht festhalten, dass das keine Partymusik ist, zu der man hemmungslos rumsaufen kann. Man muss das Album vom ersten bis zum letzten Titel durchhören. Es ist von seiner Natur her ein Konzeptalbum.

W: Ja, ein Riff pro...Album.

D: (stöhnt und winkt ab) Ich mache mir diese Meinung nicht zu eigen. NÀchster Titel.

W: "Gebrechlichkeit Teil 1". Man hört GerÀusche.

D: Und siehe da...das glockenhelle Instrument aus dem ersten Lied ist wieder zu hören. Ist das nicht eine wunderschöne Reminiszenz?

W: Das ist wohl war, Patrick.

D: "Gebrechlichkeit Teil 1" kommt völlig ohne Schlagzeug aus.

W: Wird's dadurch besser?

D: Wenn man jetzt jemandem wahllos ein Lied vorspielen wollte, ist das natĂŒrlich schlecht geeignet. Aber im Zusammenhang mit dem vorhergehenden.

W: Was will uns der Autor damit sagen?

D: Die Struktur zerfĂ€llt. (mit ĂŒbertriebenem Pathos in der Stimme) Das ganze Album strahlt doch Zerfall aus. Und Niedergang. So sehe ich das.

W: (betretenes HĂŒsteln) Ja.

D: Und jetzt sage nicht, dieses Album strahlt die instrumentellen UnfÀhigkeiten eines einzelnen Durchgeknallten aus.

W: Wenn ich es mit spÀteren Alben vergleiche... "Balders Dod" ist nur Keyboard-Musik.

D: Ziemlich schlechte sogar. Obwohl, das nehme ich zurĂŒck, denn ich habe es noch nie gehört. Hast du's schon gehört?

W: Ich werde mal schauen, ob's bei Kazaa erhÀltlich ist.

D: (lacht) Ist das ein Underground-Mailorder?

W: Jupp.

(Schweigen)

W: Ich habe den Eindruck, dass die Stimme immer leiser wird. Also von Song zu Song.

D: Also das lÀsst sich bei diesen... (deutet vielsagend auf Wehrmuts exorbitant teure Lautsprecherphalanx und erntet böse Blicke) ...Witterungsbedingungen schlecht sagen.

W: Ja.

D: Und wenn man jetzt noch im Hinterkopf behÀlt, dass danach noch "Gebrechlichkeit II" kommt, wo die Instrumente noch reduzierter auftreten...

W: Wollen wir gleich zu "Gebrechlichkeit II" ĂŒbergehen?

D: Nein, nein, immer schön der Reihenfolge nach. Aber du kannst ja ein StĂŒck vorspulen.

W: GefÀllt dir dieses Lied etwa nicht?

D: Wir können uns ja auch weiter anschweigen.

W: Es gibt auch nichts mehr zu diesem Lied zu sagen. (spult vor) Hier! Ich bin zu einer beliebigen Stelle im Lied gesprungen und es ist kein Unterschied feststellbar. Es folgen nun 25 Minuten "Transzendaler Rundgang" oder wie es heißen mag.

D: (beharrlich) "Transzendentaler Rundgang um die SÀule der SingularitÀt"

W: Bethlehem lĂ€sst grĂŒĂŸen.

D: Burzum war wohl eher da.

W: Bethlehem ist doch spÀter?

D: Obwohl, in den Begleitmaterialien steht: (blÀttert im Booklet)

W: "Hail to Bethlehem"?

D: (lacht) Nein, das ist schon 1993 entstanden. Was ich noch sagen wollte: inmitten einer monotonen Klanglandschaft ist es natĂŒrlich schwierig, Abwechslung zu finden. Wer die dort aber sucht...

W: ...der ist gÀnzlich auf der falschen FÀhrte.

D: Das ist ein reines SynthesizerstĂŒck...

W: ...und zwar durchweg. 25 Minuten lang.

D: ...was sich ganz langsam entwickelt. Also es kommen noch andere KlÀnge dazu.

W: Sechs Töne! Die Melodie.

D: (zÀhlt nach) Vier.

(Es folgt ein lustiges ZĂ€hlspiel)

D: Sechs Töne, aber nur drei unterschiedliche.

W: Das ist möglich.

D: Ach, ich hab mich verzÀhlt.

W: (Auf Deadlefts Grundkurswahl wÀhrend des Abiturs anspielend) HÀttest du doch nur Musik weitergemacht.

D: (ausdauernd) Der spielt doch nur drei Töne. Und die gleichen dann noch einmal, aber schneller.

W: (zÀhlt nach) Warte... (macht lauter) Mit Echo.

D: Das sind die gleichen drei Töne. Das sind drei Töne.

W: Ja. Nach ca. zwei Minuten setzt dann Begleitmusik ein. Jean Michel Jarre nicht unÀhnlich.

D: Als die großartige Gruppe Tangerine Dream in den 70er Jahren solche Alben veröffentlicht hat, da war das eine Sensation.

W: Und was soll mir das sagen?

D: Dass es so was vorher schon gegeben hat und das so was anerkannt ist.

W: Aber nicht in diesen Kreisen.

D: Ich kann mir sogar vorstellen, dass dieser Titel mal fĂŒr einen Film verwendet wurde.

W: Ja, aber ich glaube nicht vornehmlich. Sondern maximal dann als...Ă€h...Implement...

D: (lacht)

W: ...fĂŒr Gummo, einen Film, den ich nur empfehlen kann. Neben Burzum auch Bethlehem, Darkthrone glaube ich.

D: (atmet gerĂ€uschvoll aus) Du bringst uns in Teufels KĂŒche, wenn du hier Bands aufzĂ€hlst, die da nicht hineingehören.

W: Da werde ich doch mal bei einer großen Suchmaschine nachfragen. Du kannst ja inzwischen erzĂ€hlen, was das fĂŒr Instrumente sind.

D: Das ist natĂŒrlich nur ein Instrument. NĂ€mlich ein Tasteninstrument.

W: (klappert indes mit den Tasten) Ja?

D: Aber jetzt mal abgesehen von...

W: (liest vor) Absu, Bethlehem, Burzum, Bathory, Brujeria, Nifelheim, Mortician.

D: Bethlehem habe ich ĂŒbrigens nicht rausgehört.

W: Ich auch nicht. Deswegen werde ich ihn mir noch mal anschauen.

D: Also mal von der Monotonie abgesehen, du musst doch zugeben, dass es eine gewisse Stimmung transportiert.

W: Ja.

D: Welche? Es ist ja bei jedem unterschiedlich.

W: Wenn ich nicht wĂŒsste, dass es von Burzum ist, wĂ€re es fĂŒr mich so etwas wie Jean Michel Jarre.

D: Es geht doch nicht darum, von wem das ist, sondern welche Stimmung es hervorruft.

W: Das Grundthema erzeugt eine durchaus angenehme Stimmung. Allerdings diese hellen, verzerrten Töne missfallen mir dann doch wie ein...

D: (sich an die letzte Pschyrembel-LektĂŒre erinnernd) ...eine Analfistel?

W: ...Drogentraum.

(GelÀchter)

D: So hat jeder seine Assoziationen

W: Nein, wie ein schizophrener Drogentraum.

D: (romantisch) Stell dir vor, es ist dunkel, die Augen sind geschlossen. Eine leichte Brise umhaucht das Haupt und dann diese Musik.

W: Dann möchte ich lieber andere Musik dazu hören. Zum Beispiel "Cry of a Mankind" von My Dying Bride, der Schluss.

D: Obwohl auch dort viel mit Monotonie gearbeitet wird.

W: Ja.

D: Und was ist daran besser?

W: Etwas mehr Abwechslung.

D: Etwas mehr Abwechslung in der Monotonie? (lacht verÀchtlich) Ja, gut...

W: Andere finden Techno monoton. Ich auch.

D: Das ist auch beabsichtigt.

W: Ja. Deswegen gibt es ja viele verschiedene Arten der Monotonie.

D: Du kannst ja mal vorspulen.

W: Du hast 15 Minuten zur Auswahl. Eine Wunschminute?

D: 18. Übrigens, jetzt kommt er noch mal isoliert. Dieser glockenhelle Dreiklang. Und jetzt entwickelt sich's. Und wir haben eine neue Melodei.

W: Jetzt ist er weg.

D: Der Dreiklang ist weg. (geheimnisvoll) Ob er wieder kommt?

W: ...erfahrt ihr nach der Werbung.

D: (lacht) Oder fortbleibt?

(Wir diskutieren ĂŒber Wehrmuts Schreibtischlampe)

D: Bei der Frage nach dem Sinn hilft natĂŒrlich auch der Titel nicht weiter. "Transzendentaler Rundgang um die SĂ€ule der SingularitĂ€t" Der Dreiklang ist wieder da.

W: (nuschelnd) Wohl war.

D: Vulva?

(GelÀchter)

W: Aber jetzt ist noch ein vierter Ton hinzugekommen.

D: TatsÀchlich.

W: (spöttisch) Mein Gott, welch Abwechslung.

D: Der die Dreiklanggruppen voneinander trennt. Das klingt ein wenig so, als wenn man einen Finger in die Flasche stecken und wieder herausploppen lassen. (entdeckt einen Ton) Und jetzt! (imitiert den Ton) Und schon tut sich eine neue Dimension auf.

W: Ich denke, man braucht fĂŒr dieses Album mehr Zeit, in der man ungestört in isolierter AtmosphĂ€re lauschen kann.

(andÀchtiges Zuhören)

W: Ich spule noch ein StĂŒck vor.

(man bemerkt keine VerÀnderung, GelÀchter)

W: Das Thema wird dann bis zum Ende durchgehalten und klingt jetzt aus.

D: Never change a winning team. Wer hat das eigentlich gesagt?

W: Keine Ahnung, aber ich weiß, wer "no sports" gesagt hat.

D: NĂ€mlich?

W: Churchill.

D: Winston?

W: Ja. Es folgt nun Titel Nummer sechs.

D: "Gebrechlichkeit Teil II". (kratzt sich am Bein)

W: KrÀtze?

D: Beinfistel. (holt sich den Pschyrembel) Ich suche mal was passendes.

(Einige Abbildungen werden interpretiert)

D: Die Ähnlichkeit mit "Gebrechlichkeit I" ist verblĂŒffend.

W: Wahrscheinlich beabsichtigt.

D: War "Gebrechlichkeit I" eigentlich mit Gitarren?

W: Ja. Gitarre und Schlagzeug.

D: Nein.

W: Ohne Schlagzeug?

D: Ohne. Ich glaube hier fehlt dann der Gesang und die Gitarre ist leiser. Und zack! schon wird das Motiv des Zerfalls wieder aufgenommen. Es zerfĂ€llt immer mehr. Und wenn man das jetzt weiterspinnt: Wie wĂŒrde ein Titel Nummer sieben klingen?

W: Wahrscheinlich so wie Nummer fĂŒnf, bloß ohne Hauptmotiv.

D: (lacht)

W: Sind die HintergrundgerÀusche in Teil eins auch vorhanden?

D: Ja.

W: Die Gitarre wird lauter.

(Schweigen)

D: Eingenickt?

W: Ja. Ich spul mal kurz vors Ende. Ich finde: ein abruptes Ende.

D: Abruptes Ende?

W: FĂŒr solch ein Album ein abruptes Ende.

D: Wie hat's denn angefangen?

W: Sehr schnell und sehr laut.

D: Ja. Was können wir jetzt noch zusammenfassend sagen?

W: Ein Album nicht fĂŒr jedermanns Geschmack. Kontrovers diskutiert. Sehr schwergĂ€ngige Kost. Muss man mehrmals in Ruhe gehört haben.

D: Vor allem in Ruhe.

W: Zu empfehlen? Man sollte es mal gehört haben.

D: Wer das nicht kennt... Geeignet vor allem fĂŒr Freunde der Monotonie...

W: Wohl war.

D: ...und des langsamen Stimmungsaufbaus.



Gespräch vom 01.10.2001


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