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Secrets Of The Moon # Carved in Stigmate Wounds

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Vier Jahre nach Erscheinen des obskuren Deb├╝talbums 'Stronghold of the Inviolables' wechselte die Band zu Lupus Lounge, einem neu gegr├╝ndeten Ableger von Prophecy Productions, und ver├Âffentlichte dort das zweite Album 'Carved in Stigmata Wounds'.
Der Unterschied zwischen diesen beiden Alben und vor allem der Entwicklungssprung ist bemerkenswert und gibt Anla├č zum Optimismus: 'Carved in Stigmata Wounds' ist eines der besten Alben, da├č mir in Sachen Black Metal, zumal aus Deutschland, in den letzten Jahren zu Ohren gekommen ist. Schon das Intro 'Crowns' hebt sich wohltuend vom ├╝blichen und nur allzu oft nichtssagenden Keyboardfirlefanz ab. Es beginnt mit einem Auszug aus einer von Aleister Crowley gesprochenen Messe, deren Rhythmik und Melodik von Schlagzeug und Gitarren aufgenommen und in ein kurzes Gitarrensolo ├╝berf├╝hrt wird. Selbiges macht den ersten langsamen und spannungssteigernden, akustischen Kl├Ąngen von 'Cosmogenesis' Platz. Nach wenigen Momenten wird diese lauernde Ruhe vom Einsatz aller Instrumente zerrissen; der Vorhang l├╝ftet sich und enth├╝llt eine talentierte und mutige Band.
Die Musik ist eine ganz und gar nicht dogmatische Interpretation von Black Metal und l├Ąuft dabei nie Gefahr, in selbstherrliche Experimente abzudriften. Gerade an dieser Gratwanderung sind schon viele Bands, so zum Beispiel D├Şdheimsgard oder auch Peccatum, kl├Ąglich gescheitert. Secrets of the Moon hingegen scheuen sich nicht, einem traditionellen Fundament zun├Ąchst komplexere Strukturen zu verpassen und dann mit dem richtigen Augenma├č - und einiger Zur├╝ckhaltung - Einfl├╝sse aus anderen Genres einzuarbeiten. Bei ├╝ber 70 Minuten Spielzeit ist es aber nat├╝rlich geradezu angeraten, sich nicht ausschlie├člich auf Althergebrachtes zu verlassen, um den H├Ârer zu fesseln. ├ťber weite Strecken gelingt es der Band auch, das Album interessant zu halten und den Zuh├Ârer zu fesseln. Zwar werden bei allen St├╝cken einzelne Elemente im Verlauf wieder aufgegriffen, um die Musik zum Beispiel auf eine Kreisbahn zu zwingen und an den Ausgangspunkt zur├╝ckzuf├╝hren ('Cosmogenesis'). Dem geduldigen Zuh├Ârer werden aber durch allerlei Variationen gen├╝gend Anreize zum Weiterh├Âren geboten. So finden sich neben zahlreichen schnellen und bombastischen Passagen wie in 'Miasma' auch langsame und in ihrer Instrumentierung reduzierte Zwischenspiele. Es tut diesem Album gut, wenn den lauten, zu ├╝berbordender Dramatik und Pathos neigenden Strukturen dann und wann leise und unaufgeregte Einsprengsel gegen├╝bergestellt werden. Dabei entsteht aber zu keinem Zeitpunkt der Eindruck von zusammengekleistertem St├╝ckwerk; trotz zahlreicher Breaks und instrumenteller Variation entwickelt sich ein gut h├Ârbarer Flu├č.
Dieser Eindruck entsteht auch dadurch, da├č sich bestimmte Elemente in be├Ąngstigender Verl├Ąsslichkeit wiederholen. Gerade diese aufsteigenden Melodien aus schnellen und repetitiven Riffs ziehen sich durch das ganze Album. Vielleicht mag die Tatsache, da├č es sich hierbei um ein Konzeptalbum handelt, nicht ganz unschuldig daran sein. Daraus ergibt sich ein etwas zwiesp├Ąltiger Eindruck: Dem konsequenten Drang zur Abwechslung steht die Tendenz gegen├╝ber, beinahe jedes St├╝ck fr├╝her oder sp├Ąter mit generischem Eifer w├╝ten zu lassen.
Die Instrumentierung ist - auch beg├╝nstigt durch eine angemessene Produktion - dagegen exzellent ausbalanciert. Die Gitarren ├╝bernehmen eindeutig die F├╝hrungsrolle, werden dabei aber von einer ├Ąu├čerst variablen Rhythmusfraktion unterst├╝tzt. Neben der erstaunlich gut auszumachenden und sehr lebendigen Ba├čgitarre ist hier vor allem das Schlagzeugspiel herauszuheben. Zwar verl├Ą├čt Thrawn leider nie das Genre, innerhalb dieser Grenzen lotet er aber jedes Extrem aus und besticht in seinem Spiel durch Hingabe, technischen Anspruch und Variabilit├Ąt. Beiden Instrumenten wird gelegentlich ├╝berraschend viel Raum zur Entfaltung gegeben. Dem Schlagzeug in Form eines Quasi-Solos im Titelsong und dem Ba├č an verschiedenen, langsameren Stellen. Das Keyboard - oft ein Schwachpunkt bei Black Metal Bands und hier nur im 'Dust' betitelten Outro von fragw├╝rdiger Qualit├Ąt - wird mit verschiedenen Sounds sehr sparsam aber stets der jeweiligen Atmosph├Ąre dienend eingesetzt. Dieser ist im ├╝brigen auch stets die Stimme von Daevas zutr├Ąglich. Er spricht die Texte immer mit gr├Â├čtm├Âglichem Effekt. Seine Palette reicht hier von leisem Fl├╝stern ├╝ber eine dunkle, klare Stimme und einige Zwischenstufen bis zu hei├čerem und skandierenden Rufen. Einziges Manko ist Daevas' deutscher Akzent, der stellenweise ein wenig die Atmosph├Ąre raubt ('Epoch'), insgesamt aber nur selten auff├Ąllt.
Wenn man diesem Album Progressivit├Ąt zuschreiben m├Âchte, dann kommt diese durch die zahlreichen Tempo- und Dynamikwechseln und dem behutsamen Einsatz genrefremder Stilmittel zum Ausdruck. Letzteres geschieht aber nicht allzu oft und beschr├Ąnkt sich im Gro├čen und Ganzen auf ein paar an Thrash und Death Metal erinnernde Riffs oder kleinere Intermezzi. So gemahnt der schr├Ąge Beginn von 'Psychocult Hymn' an das Erbe von Ved Buens Ende oder die fr├╝hen Fleurety, f├╝r die noch immer keine Nachfolge in Sicht ist. Schon etwas erfahrene H├Ârer werden mit der Progressivit├Ąt keine Probleme haben, als Partyscheibe oder zur Hintergrundberieselung taugt 'Carved in Stigmata Wounds' aber nicht.
Insofern ist dieses Album all jenen zu empfehlen, die nicht vor einem ausladenden Konzept zur├╝ckschrecken. Secrets of the Moon protzen auf ihrem zweiten Werk nicht mit Originalit├Ąt und Innovationskraft, daf├╝r wird aber solider, gut durchdachter und hervorragend ausbalancierter Black Metal geboten. Ein Lichtblick in einem Genre, in dem Solidit├Ąt seit vielen Jahren keine Selbstverst├Ąndlichkeit mehr ist.

Deadleft am 26.05.2005




Spielzeit

72:04 min


Erscheinungsjahr

2004


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