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My Dying Bride # As the Flower withers

Cover: My Dying Bride # As the Flower withers

Ein ungewöhnlicher Einstieg fĂŒr ein ungewöhnliches Album: taktisch klug ĂŒberrumpeln My Dying Bride den Hörer nicht mit einem stupide-brutalen Riff, sondern bauen erst langsam Spannung auf. 'Silent Dance' umfĂ€ngt ihn mit dĂŒsteren Keyboardschwaden, schafft eine schummrige, obskure AtmosphĂ€re und verleitet zum Weiterhören. Auch 'Sear Me', der Opener, fĂ€llt dann nicht mit der TĂŒr ins Haus. Statt dessen macht er den Hörer dezent und unaufdringlich mit der My Dying Bride'schen Klangwelt vertraut: ein holpernder, gemĂ€chlicher Schlagzeugrhythmus, eine melancholische Bassgitarre, dann schwermĂŒtige, nachdenkliche Akkorde, schließlich hallender Grunzgesang. Nur kurz folgt ein Ausbruch in Death-Metal-Gefilde, dann schleppt man sich minutenlang durch zĂ€he Doom-Passagen, oft spĂ€rlich instrumentiert und nur selten mit Gesang versehen, um schließlich wieder beim Anfangsthema anzugelangen. Ein grandioser Einstieg, der schon jetzt klar macht: 'As the Flower Withers' ist ein ausgesprochen emotionales Werk. Denn trotz der harten Gitarren und teilweise abstoßend brutalen Vocals schaffen es My Dying Bride, durchweg eine bedrĂŒckende, melancholische Stimmung zu verbreiten.
Aus meiner Sicht macht gerade dieser Stilmix die Sache interessant. Anders als auf spĂ€teren Werken lĂ€ĂŸt man es hier auch mal richtig krachen - die gefĂŒhlvollen Gothic- und Doom-Parts werden immer wieder von todesmetallischen WutausbrĂŒchen zerschnitten. In deren Verlauf darf sich SĂ€nger Aaron auch mal ungehemmt die Seele aus dem Leib brĂŒllen. So stehen sich dann beispielsweise mit 'The Forever People' und 'The Bitterness and the Bereavement' zwei stilistisch vollkommen unterschiedliche Songs gegenĂŒber. WĂ€hrend man ersteren mit seinen hinterhĂ€ltig schwirrenden Riffs und den bösen Vocals ohne weiteres dem Death-Metal-Genre zuordnen könnte, erinnert letzterer sehr stark an Paradise Losts 'Gothic'. Erstmals kommt hier auch eine Geige zum Einsatz, was dem Lied eine besonders unheimliche AtmosphĂ€re verleiht. Ihr Spiel befreit den Song zugleich aber von jener bedrĂŒckenden Schwere, wie sie beispielsweise 'Vast Choirs' zu eigen ist. Den gleichen Effekt kann man auch in 'The Return of the Beautiful' beobachten, wo die Geige allerdings noch besser in den Sound eingeflochten wurde. Eine seltsame Schwerelosigkeit und Erhabenheit kennzeichnet diesen Song. 'Erotic Literature' kontert daraufhin wiederum mit todesmetallischer HĂ€rte.
Wie man anhand dieser kurzen Zusammenfassung schon erkennt, wird 'As the Flower withers' durch den andauernden Wechsel dieser musikalischen Ausdrucksformen geprĂ€gt. Das mag etwas wirr anmuten, schafft immerhin aber eine gewisse Abwechslung, die man auf spĂ€teren Alben ja oft leidlich vermißt. 'As the Flower withers' wirkt dadurch viel spontaner, aus dem Bauch heraus, ja, geradezu erfrischend kurzweilig. Ein kleines Manko bleibt - die bescheidene SoundqualitĂ€t - ansonsten ist My Dying Bride mit ihrem DebĂŒt ein guter Wurf gelungen.

Herjulf am 29.06.2005




Titelliste

01. Silent Dance
02. Sear Me
03. The Forever People
04. The Bitterness and the Bereavement
05. Vast Choirs
06. The Return of the Beautiful
07. Erotic Literature


Spielzeit

49.26 min


Erscheinungsjahr

1992


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Label



Vergleichbarer Ohrenschmaus



Konzerte/Festivals mit My Dying Bride



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