Vönger ist Krieg! Suchen | Kontakt | Impressum
Kopfbild
Startseite | B | Bethlehem | Schatten aus der Alexanderwelt

.:: True :: UnTrue ::.

» Schnellauswahl «
A B C D
E F G H
I J K L
M N O P
Q R S T
U V W X
Y Z Andere
Splits Sampler

Berichterstattung
  · Konzertberichte
  · Konzertfilme
  · Gespräche
  · Hören & Sehen
  · Streitfälle

Vönger
  · Kommerz   · Personal
  · Marschmusik
  · Selbstdarstellung
  · Familienalbum
  · Karriere

» Schnellsuche «

Bethlehem # Schatten aus der Alexanderwelt

Kein Bild gefunden

'Schatten aus der Alexanderwelt' ist zunĂ€chst einer der besten Songs auf dem Meilenstein der Band 'Dictius te Necare': tongewordener Wahnsinn, absolute Verzweiflung und ein kryptischer Text voller MonstrositĂ€ten. Von einem ganzen Album, daß den Namen dieses Meisterwerkes trĂ€gt, war also viel zu erwarten.
Doch Parallelen mit dem Song oder dem Album muß man mit der Lupe suchen. Das auf zwei CDs verteilte Album 'Schatten aus der Alexanderwelt' ist vielmehr eine Art Hörspiel mit eingeschobenen Musikfragmenten. Die Hörspielanteile bestehen aus Textpassagen, die kaum nachvollziehbar sind, aber trotz einiger Anspielungen auf bekannte Texte keineswegs die abscheulich-fesselnde QualitĂ€t frĂŒherer Veröffentlichungen haben. Unterlegt sind diese Textpassagen mit maschinellem Brummen. AlltagsgerĂ€uschen, Klang-Schnipseln und dergleichen mehr. Weil diese keinerlei Wert fĂŒr mich haben, beschrĂ€nke ich mich in dieser Kritik auf den durchaus mageren musikalischen Teil. Der erste Song 'Das 4. Tier aß den Mutterwitz' ist eine grauenhafte Mischung aus Rammstein-Hommage und meditativen Elektronik-Spielereien. 'Somnambulismus in Maschinenzimmer 30' ist keinen Deut besser. Diesmal hat man es mit einem sehr sparsam instrumentierten und nur ganz schwach an den typischen Bethlehem-Sound erinnernden Song zu tun, der vor allem als Vehikel fĂŒr den peinlichen Gesang von Guido Meyer de Voltaire (Aardvarks) dient.
'Mein Kuß erstickt im Imperativ' klingt da schon etwas besser. Endlich kann man ein wenig morbides Bethlehem-Flair erahnen. Doch auch hier ist der Gesang der AtmosphĂ€re eher abtrĂ€glich. De Voltaire wechselt wieder zwischen wohlklingendem Gesang und einer etwas harschen Rammstein-Imitation. Von letzterem mal großzĂŒgig abgesehen, wohlklingender Gesang und Bethlehem passen partout nicht zusammen. Der Titel des nĂ€chsten Songs 'Mary Samaels (NFB 418)' lĂ€ĂŸt es bereits erahnen: Zu allem Überfluß kommt nun verstĂ€rkt elektronische Musik ins Spiel. Auch in dieser Hinsicht gibt es sicherlich Positives; dieses StĂŒck gehört aber nicht dazu. Eine gesichtlose Ulver-Variante zu Zeiten von 'Perdition City' trifft auf den erneut schwer ertrĂ€glichen Gesang De Voltaires.
'Dunkle, kalte Materie (ovulation eins)' ist nunmehr völlig elektronisch, kommt aber ohne Gesang aus. Dieses kurze StĂŒck bildet den Abschluß der ersten CD und verbreitet immerhin eine Art dĂŒstere und vorahnungsvolle Stimmung. In Form von 'Dunkle, kalte Materie (ovulation zwei)' wird dieses StĂŒck auf der zweiten CD fortgesetzt. Nach abermals ermĂŒdenden Hörspielpassagen mit religiös-philosophischem Anstrich folgt der wohl beste Song des Albums. 'Maschinensohn' ist zwar beileibe nicht so extrem wie man es von der Band gewohnt ist, trotzdem ist ein wenig vom alten Wahnsinn zu spĂŒren. Der Wechsel zwischen kraftvollen Riffs und hinterhĂ€ltig-dĂŒsteren Passagen weckt Erinnerungen an die Glanztaten der Band. Auch der Gesang geht diesmal in Ordnung. Schon beim nĂ€chsten MusikstĂŒck 'Rost, Wahn & tote Gleise' erreicht jener wieder sein gewohnt peinliches Timbre. Auch die Musik ist kaum der Rede Wert. Die verzerrte Rhythmusgitarre kratzt grĂ¶ĂŸtenteils blödsinnig im Hintergrund und das Keyboard zaubert pseudodĂŒstere Schwaden. Ein Jammer.
Bei 'Tod einer Dieselkatze' hingegen gefĂ€llt mir der Klang des Keyboards. Teils dunkel, teils hypnotisch an Tangerine Dream erinnernd. Leider geht es aber im ĂŒblichen Einerlei aus De Voltaires Gejammer und simpelster Struktur unter. Beim letzten StĂŒck 'Aus dunkler Ritze fruchtig Wahn' handelt es sich um eine Art Remix des Textbeitrags 'TeufelverrĂŒckt Gottdreizehn', der auf dem 'S.U.i.Z.i.D'-Album von einer Frau rezitiert und von einigen wenigen Soundeffekten begleitet wurde. Hier ist diese Rezitation mit technoiden Rhythmen, Elektronik-Sperenzchen und einem psychotischem Piano angereichert worden und steht in Sachen (fehlender) GĂŒte dem Rest des Albums in nichts nach.
Bis auf 'Maschinensohn' und - in geringerem Maße - die beiden Teile von 'Dunkle, kalte Materie' ist dieses Album ein Totalausfall und ein absoluter Tiefpunkt in der Bandgeschichte. 'Schatten aus der Alexanderwelt' ist ein zum Hörspiel aufgeblasenes Monstrum aus Moralpredigten, sinnfreier Prosa und schlechter Musik. Allein die Aufmachung - zwei CDs in stilvoller Klappverpackung und mit zwei Booklets ausgestattet - ist diesem Werk anzurechnen. Immerhin ist das Album auch ohne die Hörspielanteile erhĂ€ltlich; doch auch der Nutzen jener Variante wird sich in Grenzen halten.

Deadleft am 10.01.2005




Titelliste

CD 1:
01. Kapitel Radio
02. Das 4. Tier aß den Mutterwitz
03. Kapitel Gabriel
04. Somnambulismus im Maschinenzimmer 30
05. Kapitel Hummer
06. Mein Kuß erstickt im Imperativ
07. Kapitel Michael
08. Mary Samael (NFB 418)
09. Dunkle, kalte Materie (ovulation eins)

CD 2:
01. Dunkle, kalte Materie (ovulation zwei)
02. Kapitel Mensch
03. Maschinensohn
04. Kapitel Luzifer
05. Rost, Wahn & tote Gleise
06. Kapitel Kinderzimmer
07. Tod einer Dieselkatze
08. Kapitel Heimkehr
09. Aus dunkler Ritze fruchtig Wahn


Erscheinungsjahr

2001


Internetseite



Label



Vergleichbarer Ohrenschmaus



.:: zurück :: nach oben ::.

© 1996-2019 Vönger
erstellt durch dunkelland - metalArt
Unser RSS-Feed Get Firefox