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Dunkelheit Festival III

Kampfar, Wyrd, Somrak, Darkened Nocturn Slaughtercult, Azaghal, Heiden, Trollech, Besatt, Nefarium, Avenger, Infer, Hromovlad, Selbstentleibung, Waldgefl├╝ster, Return to Innocence, Ewig Frost, Detonator 666, Anima Damnata, Witchcraft, Frostmoon Eclipse, Elite, Inquisition, Stormnatt

Ort: Br├╝nn / Club Fleda
Datum: 29.08.2008 bis 30.08.2008


Freitag
Nachdem ich schon letztes Jahr beim Dunkelheit Festival war, zog es mich auch diesmal ins tschechische Br├╝nn/Brno. Urspr├╝nglich war das Festival als Open Air an der tschechisch/├Âsterreichischen Grenze geplant, wurde dann aber wieder in die Innenstadt von Br├╝nn verlagert. Diesmal fand es im Club Fleda statt, der im Vergleich zum Vorjahresort zentraler lag und somit diverse M├Âglichkeiten der Unterkunft bzw. der Nahrungsaufnahme bot. Meine Anreise endete knapp nach 13.00 Uhr, jedoch mu├čte ich noch ins nahe Hotel einkehren und mich f├╝r das Konzert frisch machen, so da├č ich die erste Band des Tages verpa├čte.

So dachte ich zumindest, doch als ich gegen 14.00 Uhr ankam sah ich auf dem modifizierten Spielplan, da├č die erste Band (zu meinem Gl├╝ck) sowieso ausgefallen war. Danach gab es f├╝r den Beginn der beiden Tage einige Verschiebungen, so da├č es am Freitag mit Return to Innocence anfing. Die Tschechen spielten ruhigen Black Metal mit teilweise grunzender Stimme, jedoch nichts Besonderes. So blieb mir etwas Zeit, den Club genauer unter die Lupe zu nehmen. Er hat ein angenehmes Ambiente mit Sitzgelegenheiten, zwei gro├čz├╝gig angelegten Theken, Nebenr├Ąume mit Kuschelecken und der Konzertsaal ist auch gut angelegt. Die Beleuchtung war professioneller als bei manch anderem Club und auch die B├╝hne mit Nebelmaschine unter dem Schlagzeuger konnte mich ├╝berzeugen (wodurch w├Ąhrend des Spielens sch├Âne Rauchringe erzeugt wurden). Als zweite Band kamen Ewig Frost aus ├ľsterreich, die selbsternannten Black Metal Piraten. Ziemlich rotzig und mit Schmackes brachten sie dann auch das Material, wie als w├Ąren die Instrumente auf wilder See gestimmt. Als sie dann ein Lied mit 'ein Song ├╝ber NSBM ... Oi! Oi! Oi!' einstimmten, wurde ich erst stutzig aber wie sich herausstellte, sind Ewig Frost dann doch eine engagierte Gruppe gegen rechte Tendenzen im Black Metal (weswegen das 'rotzige' durchaus auch mit punkest umschrieben werden k├Ânnte). Leider konnte ich auf dem Konzert keinen Tontr├Ąger der Gruppe finden. Das w├Ąre auch schon ein Verbesserungspunkt f├╝r sp├Ąter: Einen einheitlichen Merchandisingstand aller Gruppen des Festivals, wo man schnell kaufen kann was einem gef├Ąllt. Auch bei sp├Ąteren Gruppen irrte ich von einem Stand zum N├Ąchsten und suchte im D├Ąmmerlicht nach den Alben.

Danach folgten Trollech, die ich zum ersten Mal sah aber die mich sofort ├╝berzeugten (und nun im CD-Regal liegen). Die Einheimischen spielen 'Forest Black Metal' und diese Betitelung pa├čt recht gut. Die bei Ketzer-Records angesiedelte Band spielt energischen, teils atmosph├Ąrischen Black Metal mit schrubbenden Gitarren und immer wieder kleinen Ausfl├╝gen in die (seichte) Folklore. Aus den rauschenden Gitarren bahnt sich manchmal eine klare Melodie ihren Weg nach vorn, nur um dann wieder im Rauschen unterzugehen. Detonator 666 pl├Ątscherten mit ihren Mix aus Black/Thrash/Death Metal so an mir vor├╝ber, ohne einen besonderen Eindruck zu hinterlassen. War nix f├╝r mich und so war ich denn auch froh, da├č die Musik aus dem Konzertsaal nicht in den Vorraum drang. Anima Damnata danach waren mir auch zu schnell, klang ihre Musik doch eher nach einem Kompressor und das die volle Spielzeit ├╝ber ohne Ruhepausen.
Besser wurde es mit Witchcraft aus Ungarn. Die Gruppe war im Vergleich zu den Vorg├Ąngern langsam - sie spielten rauhen, atmosph├Ąrischen und minimalistischen Black Metal, was durch die karge Beleuchtung noch stimmig erg├Ąnzt wurde. Mir gefielen sie sehr gut (wieder ein CD mehr)...
Da Frostmoon Eclipse keinen H├Âhepunkt darstellte und es langsam im Magen rumorte, zog ich wie viele andere auch in die angrenzenden Gastronomiebetriebe und landete schlie├člich aber doch an der D├Ânerbude nebenan. Danach ging ich zum entspannen und Batteriewechsel/Bilderspeichern ins nur 5 Gehminuten entfernte Hotel zur├╝ck.

Besatt
Besatt



Als ich wieder im Club Fleda war, spielten Azaghal gerade. Also Kamera ausgepackt und Blitz drauf - aber als dann immer eine Fehlermeldung erschien, bin ich doch leicht in Panik geraten und wollte das genauer unter die Lupe nehmen. Deshalb wieder zur├╝ck ins Hotel, nur um dann festzustellen, da├č die (vermeintlich geladenen) Akkus leer waren. So verpa├čte ich Azaghal. Aus den paar Minuten die ich geh├Ârt hatte konnte ich jedoch schlie├čen, da├č es nicht mein Geschmack war. Der Menge scheint es allerdings gefallen zu haben.
Zur├╝ck am Ort des Geschehens, vorbei an Alkoholleichen die zum Teil schon seit der Mittagszeit eine Siesta auf dem Mobiliar bzw. dem Hallenboden machten, war es Zeit f├╝r Elite aus Norwegen. Routinierten Skandinaven Metal der die Fans nicht so recht begeistern konnte. Die Gruppe hat mehr Zeit damit verbracht, die Leute mit 'Hey, Hey!'-Rufen zu motivieren als St├╝cke zu spielen. Das ging dann mit der Zeit doch auf die Nerven. Am Ende blieben sie so lange auf der B├╝hne stehen, bis sich ein Fan erbarmte und 'One more song' bzw. 'Elite' br├╝llte. Bei so viel Begeisterung haben sie dann halt noch ein St├╝ck gespielt. Einigen schien es dennoch gefallen zu haben, bildete sich doch f├╝r ein paar Momente ein Moshpit (der aber mehr st├Ârte als Anklang fand). Optisch wurde die B├╝hne gut mit den Strahlern ausgeleuchtet und die Lichtshow pa├čte zum Dargebotenen.
Aufgrund meiner Schmerzen im R├╝cken (schwere Kamera) und Augen/Hals (das ewige Thema des ungewollten Passivrauchens...) beschlo├č ich, mir noch Inquisition anzuschauen und dann meine m├╝den Glieder auf dem Hotelbett aufzubahren. Die beiden Amerikaner fanden anfangs noch Begeisterung in mir, klang der Gesang doch recht speziell - f├╝r meine Ohren wie ein gurgelndes Didgeridoo. Die mit Hall unterlegte Stimme sang monoton und langsam und durch die minimale Instrumentierung klang das Ganze schon interessant. Allerdings verlor ich dann nach einigen Liedern das Interesse, da die St├╝cke keine gro├če Abwechslung boten. F├╝r die zirka 350 Fans jedoch war es augenscheinlich ein Ohrenschmaus. Ich ging dann ins Hotel und verpa├čte die danach kommenden Stormnatt.


Samstag
Gegen 8.00 Uhr am Morgen wurde ich wach, da meine ├Âsterreichischen Hotelnachbarn offenbar eine wilde Orgie feierten. Zumindest schrie einer der Beteiligten wie ein aufgespie├čtes Schwein. Nachdem ich das Ganze eine Stunde lang ertrug, nahm ich die Gelegenheit wahr und trabte mit Derrick-Augen noch rechtzeitig zum guten Hotelfr├╝hst├╝ck, das ├╝berraschenderweise auch bis zum Ende vollst├Ąndig neu aufgetischt wurde.
Platt vom Fr├╝hst├╝ck und nach der obligatorischen Einkaufstour von einheimischen K├Âstlichkeiten (allen voran Pribinacek und Waffeln) kam ich zu sp├Ąt zur ersten Gruppe des zweiten Tages (Selbstentleibung). Danach kamen Waldgefl├╝ster, eine deutsche Nachwuchsgruppe mit g├Ąngigem Black Metal der zuweilen etwas ruhiger wurde. Etwa f├╝nf bis zehn Minuten vor offizieller Spielzeit h├Ârten sie auf, wobei ich nicht wei├č ob sie dementsprechend auch eher angefangen hatten.

Etwas stutzig wurde ich beim Auftritt von Heiden, kamen sie doch v├Âllig genreuntypisch in normaler Kleidung mit K├Ąppchen auf dem Kopf. Wie sich allerdings herausstellte, hatte sie die Verkleidung nicht n├Âtig denn sie waren f├╝r mich einer der Neuentdeckungen des Festivals. ├ähnlich wie Trollech, mit denen sie auch eine Split-CD verbindet, spielen Heiden gitarrendominierten Black Metal. Atmosph├Ąrisch und zum gro├čen Teil auch ohne Gesang. Manchmal erinnerten sie mich an Pelican, jedoch mit mehr Metal als Doom - h├Ątte auch gut irgendwo als Soundtrack gepa├čt. Auch hier durfte nat├╝rlich der Albenkauf nicht fehlen. Leider waren sie f├╝nf Minuten eher fertig, obwohl sie p├╝nktlich anfingen.
Danach kamen Hromovlad aus der Slowakei, die mit ihrem Pagan Metal etwas Stimmung in die verwaiste Bude bringen wollten. Relativ harter Pagan, der nur durch eine Fl├Âte vom Band aufgelockert wurde, und die dazugeh├Ârige Kleidung waren zwar recht interessant, jedoch konnte die Menge nicht begeistert werden (wie so oft). Vielen gefiel es, aber f├╝r eine richtig gute Stimmung waren zu wenige Personen vor Ort. Der Band hat es trotzdem Spa├č gemacht, auch als der S├Ąnger pl├Âtzlich ein falsches Lied anstimmte und der Gitarrist ihn darauf hinwies, da├č davor noch ein anderes k├Ąme. Eventuell waren sie das preiswerte Skyforger-Pendant zum letzten Jahr.

Danach folgten Infer, die f├╝nf Minuten vor ihrer offiziellen Spielzeit noch am Auto auspacken waren. Demzufolge begannen sie auch f├╝nfzehn Minuten sp├Ąter als geplant, was sich den ganzen Abend ├╝ber weiterzog (und gerade wollte ich den Veranstaltern ein Lob aussprechen, weil der Zeitplan immer so gut eingehalten wurde). Die Gruppe spielte schnell und mit einem Hauch von Death Metal, aber nichts ├ťberragendes. Alsdann kamen Avenger aus Tschechien, die zwar eine gro├če Trommel mit auf der B├╝hne hatten, welche man jedoch nicht h├Ârte. Musikalisch war sie auch etwas deplaziert, weil sie nicht so recht in den typischen Black Metal passen wollte. Technisch guten aber dr├Âgen Black Metal machten auch Nefarium. Das Dargebotene war Alltagsware ohne H├Âhepunkte, aber die Maskierung der Beteiligten und die Ausleuchtung pa├čten sehr gut zur Band.
├ähnlich klangen auch Besatt. Sie begannen f├╝nfzehn Minuten sp├Ąter wegen des vorhergehenden Verzugs und noch einmal extra f├╝nf Minuten sp├Ąter, weil der auch so wichtige Tiersch├Ądel nicht so recht am Mirkofonst├Ąnder halten wollte. Geboten wurde solide schwarz-metallische Kost. Was mich auf den Geschmack brachte und ich die musikalische ├ľdnis nutzte, um mir im Hotel den Bauch mit leckeren K├Ąseschnitzeln den Bauch voll zu schlagen. Mit dieser Taktik kam ich dann nicht nur mit mehr Erfahrungen nach Hause, sondern auch mit mehr H├╝ftgold...

V├Âllig ├╝bers├Ąttigt von meiner tschechischen Leibspeise kam ich wieder zur H├Ąlfte des Auftritts von Darkened Nocturn Slaughtercult im Club zur├╝ck. Mittlerweile ist das vielleicht die Gruppe, die ich am zweith├Ąufigsten gesehen habe. Wie ├╝blich wurde viel Blut im Raum verteilt und die Show sowie die Musik konnten viele Fans begeistern. Sp├Ąter am Abend gab es gro├če Vergleichswettbewerbe, wer am meisten gespucktes Blut abbekommen hat. Etwas m├╝rrisch war der Bassist, da es wohl kleinere technische Probleme gab. Bisher die beste Stimmung w├Ąhrend des Festivals.
Diese war vor├╝ber, als Wyrd kam. Keine Ahnung warum die Gruppe als Semiheadliner fungierte. Die Musik war mehr Rock als Metal und wenn mir nicht die F├╝├če eingeschlafen w├Ąren, h├Ątte ich den Saal verlassen (wie viele andere auch). F├╝r die Gruppe war es der erste Live-Auftritt und f├╝r mich zumindest ihr letzter.

Getreu dem Motto: 'Das Beste zum Schlu├č' war nun die Zeit gekommen, Kampfar auf die B├╝hne zu lassen. Etwas versp├Ątet angefangen trugen die Norweger souver├Ąn ihre Musik vor und brachten es immer wieder fertig, die Masse zu begeistern. Dies war der beste Auftritt auf dem Festival und auch mir gefielen sie hier ein wenig besser, als auf dem Party.San. Leider hatten auch Kampfar, wie einige Bands davor, mit technischen Problemen zu k├Ąmpfen. So mu├čten das Mikrofon getauscht werden und es wurden f├╝nf Minuten ben├Âtigt, um w├Ąhrend des Auftritts das Schlagzeug wieder in Gang zu bringen. Das Resonanzfell der Bass-Drum war allerdings schon seit einigen Stunden zerfetzt. Nichtsdestotrotz konnte sich der Auftritt sehen lassen und zumindest bekundete S├Ąnger Dolk, da├č es ihm Spa├č machte. So wurde denn auch immer wieder nach den St├╝cken 'Hymne' und 'Norse' gerufen, die dann auch gespielt wurden.
Den Abschlu├č des Festivals bildeten Somrak aus Slowenien. Eigentlich wollte ich gar nicht mehr so lange bleiben, aber die Band war gut und so blieb ich bis zum Schlu├č. Sie h├Ątte einen Platz weiter vorn in Spielplan durchaus verdient. Der geifernde satanische Black Metal war gut, die Musik druckvoll und die Show auch stimmig. Leider waren dann nur noch einige wenige Fans im Saal, der Rest trollte sich wahrscheinlich schon, an der Theke vorbei, ins Bett.


Fazit
Das Dunkelheit Festival 2008 war f├╝r mich besser als das vorige. Die Bandauswahl war stimmiger und es gab kaum Bands, die nicht zumindest ordentlich gespielt haben. Zum Gl├╝ck waren die ganzen polnischen Hau-Drauf-Hauptsache-es-knallt-Kn├╝ppelbands nicht am Start. Viele der Gruppen konnten mich auch musikalisch ├╝berzeugen, wodurch sich mein CD-Regal nun wieder f├╝llt. Der Club Fleda an sich ist strategisch gut gelegen mit vielen Hotels und Speisem├Âglichkeiten und Gehreichweite und auch um Innenraum besser ausgestattet als der im Jahr davor. Der Saal f├╝r die Auftritte ist gro├č genug f├╝r viele Leute und angenehm eingerichtet mit Bar. Auch die Lichttechnik pa├čte gut zu den Gruppen - nur am Sound hat es manchmal Probleme gegeben.

Wie sich leider herausstellte, waren zu wenig zahlende G├Ąste erschienen und das Dunkelheit 2009 ist somit in weite Ferne ger├╝ckt. Woran es lag? Keine Ahnung. Die Bands waren gut, der Club war gut, das Bier kostete 1 Euro und die Speisen um Umfeld waren auch e├čbar und preiswert. Wer wollte konnte in der N├Ąhe gute und/oder preiswerte Hotels finden und es kann mir auch keiner erz├Ąhlen, das Br├╝nn zu weit weg ist. Wer von Bayern oder Sachsen zum Wacken f├Ąhrt, der kann auch nach Br├╝nn fahren. Fragt sich nur, wo die vielen tschechischen, slowakischen und ├Âsterreichischen Metalfans waren, f├╝r die es nur ein Katzensprung ist. Zumindest in meinem Hotel hatte ich ein paar 'true' Franzosen, deren Einstellung mich zumindest hoffnungsfroh stimmte. Vielleicht kann man ja beim n├Ąchsten Mal ein Zelt vor den Eingang stellen und ein paar leere Flaschen und Raviolidosen vor die T├╝r werfen, damit bei den Saufbr├╝dern 'Open Air-Stimmung' aufkommt...

Wehrmut am 11.09.2008


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