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Metal will never die

Die Apokalyptischen Reiter - Konzert

Die Apokalyptischen Reiter, Fangorn, Namrok

Ort: Freiberg / Pi-Haus
Datum: 12.06.1998


Am 12. Juni war die einmonatige Konzertbesuchspause endlich vorbei, denn in Freiberg trafen sich Namrok, Fangorn und Die apokalyptischen Reiter zu einem exklusiven Gig in engstem Kreise, denn das dortige Pi-Haus war ein kleiner Jugendclub mit Barbetrieb, der maximal 50 Personen gerade genug Platz bot. Da wir nicht genau wußten, wann es losgehen sollte, trudelten wir vorsichtshalber 19 Uhr dort ein, zunächst ohne Eintritt zu bezahlen.

Die R√§umlichkeiten boten wirklich Anla√ü zum Schmunzeln, was wohl an den recht 'gem√ľtlichen' Gr√∂√üenordnungen derselben lag: die B√ľhne, die im Nebenraum aufgebaut war, hatte eine Gr√∂√üe von gerademal sechs mal vier Metern, was der Stimmung sp√§ter aber keinen Abbruch tun sollte. W√§hend wir zun√§chst dort nur so rumsa√üen und den ersten Merchandisingstand begutachteten, erkannten wir den Keyboarder von den Reitern Pest, der mit einem zwar manisch-debilem, daf√ľr aber umso erheiternden, Dauergrinsen und Birkenstock-Schlappen ausger√ľstet, die Instrumente hereintrug. Hilfe erfuhr er von einem blonden Sunnyboy, dessen Darkthrone-Shirt uns vermuten lie√ü, er habe eben jenes mit dem Mister President-Shirt des Fangorn-Drummers getauscht. Weil uns die musikalischen Darbietungen von Namrok nicht so sehr zusagten, schickten wir Christ zum erstenmal an die Theke, um uns ein Baguette zu besorgen (weitere sollten folgen), was sich als ungemein lecker, weil ofenwarm und zudem noch extrem preiswert herausstellte (DM 2.50 f√ľr 40cm Genu√ü). Als wir uns noch die letzten Baguette-Krumen von den Mundwinkeln schrubbten, sprach (bzw. schrie) uns ein nicht mehr ganz n√ľchterner Glatzkopf an, der alle Neuank√∂mmlinge mit lauten 'Blasphemy'-Rufen begr√ľ√üt hatte und erz√§hlte uns die neuesten Dissection-News, die er angeblich von Legion h√∂chstselbst erfahren hat, in denen es sich nat√ľrlich um die Konsequenzen seines Mordes an einem Algerier drehte. Noch nicht ges√§ttigt, gingen wir im str√∂menden Regen zum Auto, entledigten uns auf dem Weg unseres √ľberfl√ľssigen Urins, und a√üen im Panzer eine 400 Gramm Tafel Schokolade. Auf dem R√ľckweg befestigten wir eines unserer V√∂nger-Propaganda-Plakate am Reiter-VW-Bus, ein weiteres dann direkt am Eingang √ľber dem eigentlichen Konzertplakat.
Zur√ľck im Pi-Haus fanden wir unser Pl√§tze besetzt und Fangorn bereits im Musizieren begriffen, weshalb wir uns in der hintersten Reihe (d.h. 5 Meter vor der B√ľhne) positionierten und erstaunt feststellen mu√üten, da√ü eben jene Personen, die wir vorher noch kritisch in Augenschein genommen hatten, pl√∂tzlich auf oder vor der B√ľhne standen und eine Mihung aus langsamem Death- und Gothic-Metal spielten. Die Frauenstimme klang sehr disharmonisch, wof√ľr der recht pr√§gnante Grunzgesang aber entsch√§digen konnte. Teile der Band bespritzten das Publikum, sich selber und das Equipment mit Mineralwasserfont√§nen, was uns schon veranla√üte, um das Wohlbefinden der Technik zu bangen.

Aber Satan sei Dank :-), erwiesen sich diese √Ąngste als unbegr√ľndet, denn schon nach kurzer Umbauphase, mit der Pest (jetzt im Nadelstreifenanzug) am schnellsten abgeschlossen hatte, und dem Rest der Band mit seinem Grinsen beseite stand, nahm mit einem Donnerschlag das Gemetzel seinen Lauf und animierte 50 Prozent der 'Menge' (die ersten zwei Reihen) zum Mitgr√∂hlen der eing√§ngigen Texte. Die explosive Mischung aus grindigen Blastparts und hochmelodi√∂sen Keyboardeinsprengseln beschw√∂rte eine Stimmung herauf, die wir bis dato noch nie auf einem Konzert erleben konnten, trotzdem aber noch lange nicht ihren Gipfel erreicht hatte.ongs wie 'Iron Fist', 'Execute', 'Dostulata' oder 'V.A.D.E.R.' versetzte das Publikum derart in Trance, da√ü nur noch die Hymne 'Metal will never die' kurzfristige Befriedigung verschaffen konnte. Denn auch nach einer Stunde Spielzeit mit dem vermeintlich gesamten Repertoire der gr√∂√üten Hits, war das Publikum noch nicht bereit das Konzert zu verlassen, weshalb Die apokalyptischen Reiter nocheinmal alles gaben um zum Beispiel mit der Coverversion von Venoms 'Black Metal' oder dem allseits beliebten Grand-Prix-D'Eurovison-De-La-Chanson Gewinnertitel 'Dschingis Khan' nach mehr als zwei Stunden ersch√∂pft aufzuh√∂ren und nach obligatorischen Bier verlangten, um ihre zerschrienen Kehlen zu pflegen.

Wie schon erw√§hnt war es das beste Konzert das wir gesehen hatten, wodurch sich auch die strapazi√∂se R√ľckreise durch Regenw√§nde und Nebelschwaden ertragen lie√ü.

Wehrmut am 16.05.2004




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