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Dröhnender Mammon

SunnO))) & Earth vs Europe 2006

SunnO))), Earth

Ort: Köln / Gebäude 9
Datum: 08.02.2006


SunnO))) ist die momentan popul√§rste Band in Sachen Drone Doom. So war es f√ľr mich unumg√§nglich, ihr einen Konzertbesuch zu widmen. Im Februar des Jahres 2006 kamen sie dann im Rahmen ihrer Tour nach K√∂ln. Begleitet wurden sie von ihren Ziehv√§tern Earth (Sunn begannen ihre Laufbahn als Earth-Coverband), die man zu den Mitbegr√ľndern dieses Genres z√§hlen kann. Das Geb√§ude 9 in K√∂ln geh√∂rt zum alten Fabrikkomplex der Deutz-Werke und so mu√üte man, um zum Eingang zu gelangen, an einer Reihe alter Hallen vorbei. Eine entpuppte sich als Konzertsaal, unverkennbar daran zu erkennen da√ü es im Inneren laut dr√∂hnte und am √Ąu√üeren dadurch alle losen Teile zu vibrieren begannen. Be√§ngstigend!
Nach einiger Wartezeit am Eingang konnte man dann nach dem Einla√ü bis in den Tresenbereich vordringen, wo schon der Merchandise-Stand der beiden Gruppen aufgebaut war. Bedient wurden die K√§ufer vom Sunn-Gespann O'Malley/Anderson. Einige Leute kauften Waren im teils dreistelligen Euro-Bereich (und verkauften sie sp√§ter bei einem gro√üen Auktionshaus wieder mit bis zu vierfachem Gewinn), wodurch die Bandkassen wahrscheinlich mehr gef√ľllt wurde als mit den Eintrittsgeldern. Ohne eine richtige Kasse habend, hielten die beiden die Geldscheine als B√ľndel in ihren H√§nden, wodurch die Scheine ab und an entglitten und die Jungs aussahen wie Dealer (was auch ann√§hernd stimmt). Jedenfalls konnte man die Dollar- respektive Eurozeichen in den Augen regelrecht sehen.

SunnO)))
SunnO)))



Mit 45-min√ľtiger Versp√§tung traten dann Earth auf. Die Band, bestehend aus zwei Gitarristen, einer Schlagzeugerin und einem Posaunisten/Soundeffektgenerator, spielten seeehr laaangsamen Rock. Von der Atmosph√§re her war es nicht schlecht, nur war kein Gesang dabei und 90 Minuten ein Instrumentalwerk anzuh√∂ren, ist nicht gerade einfach. Die Musik beschr√§nkte sich darauf, das Schlagzeug aller paar Sekunden zu treffen und im gleichen Zeitbereich wurden auch die anderen Instrumente angeschlagen. Bemerkenswert war auch das Geschehen im Publikumsbereich. Konzertun√ľblich war es w√§hrend des Auftrittes (und auch bei Sunn) ruhig. Kein Gegr√∂le, kein Schubsen, kein Headbangen, kein Stagediven, keine K√∂rperregung, kaum Gespr√§che. Alles lauschte und wenn die √ľberlangen St√ľcke zu Ende waren, wurde applaudiert und gejubelt. Dann kam das n√§chste St√ľck und alles war wieder ruhig. Wie in Trance gefallen und von der sonoren Musik und der kargen roten Beleuchtung kam es mir vor wie eine Beziehung zwischen Meister und seinen Sch√ľlern.

Als Earth dann fertig war, wurde die B√ľhne f√ľr SunnO))) freiger√§umt. Eine Wand aus Verst√§rkern (der Marke Sunn, von der die Band den Namen 'geborgt' hat) und Boxen kam zum Vorschein. Mehr als das brauchte es nicht, denn die Instrumentalisierung der Gruppe bestand aus zwei Gitarren und einer Toneffektgenerationsmaschine (Moog). Den Rest erledigten die Verst√§rker, die bis zum Anschlag aufgedreht wurden und dann die volle Dr√∂hnung freisetzten (was die Verst√§rker o.g. Firma wohl am besten k√∂nnen). Nachdem dann der Saal sowie die B√ľhne abgedunkelt war, setzte ein Nebelmeer ein, da√ü u.a. die Aufnahme von Fotografien erheblich erschwerte. Die Musiker betraten danach die B√ľhne in Kutten verh√ľllt, nahmen die Gitarren auf, fuhren einmal √ľber die Saiten selbiger und dann ert√∂nte minutenlang ein Brummen. Bis zum Ende des Auftrittes gab es keine Pause, immerzu dr√∂hnte es aus den Boxen. Am gef√§hrlichsten, soweit ich das 'heraush√∂ren' konnte, waren aber jene T√∂ne die der Effektmensch erzeugte. Da sprangen Kleinteile auf der B√ľhne hin und her, die Weinflasche der Musiker drohte umzukippen, da sie bei bestimmten Frequenzen in Schwingungen geriet und umhersprang. Der Boden, die Luft, der Saal, ja alle Menschen darin waren ein einziger Vibrationsk√∂rper. Nach dem zweiten Lied ('Helloween', das einzige was ich auf dem Spielplan entziffern konnte; von Titel erkennen konnte keine Rede sein) kam dann Malefic (Einzelk√§mpfer bei Xasthur) als S√§nger dazu. Mit seiner hei√üeren Stimme war er kaum zu vernehmen, was aber auch an den zu lauten Instrumenten liegen konnte. Jedenfalls spielte die Band bis zum Ende in dieser Besetzung weiter. Allerdings zu kurz, denn nach nur 45 Minuten war der Auftritt zu Ende. Keine Ahnung, ob sie nicht mehr im Programm hatten, ob sie zu betrunken waren (Betonung auf dem Wort 'zu') oder ob sie keine Lust mehr hatten.

Nach dem Auftritt dauerte es eine Weile bis sich die Massen erholt hatten und der Saal sich leerte. Drau√üen am Verkaufsstand sa√üen nun die Mitglieder von Earth und verkauften immer noch die Bandartikel. Auf dem Heimweg und auch heute noch √ľberlege ich nun, wie ich dieses Konzert einordnen soll. Als normales Konzert kann ich es nicht ablegen, denn daf√ľr war es zu anders. Ich w√ľrde es als Event/Erlebnis/Erfahrung benennen. Earth waren nicht so mein Fall, daf√ľr war die Musik zu 'nett'. Aber SunnO))) am eigenen Leib zu erfahren, hat schon etwas.

Wehrmut am 20.03.2006




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