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Willkommen im Eispalast

Prosti-Tour

Eisregen, Pungent Stench, Transilvanian Beat Club

Ort: Chemnitz / AJZ Talschock
Datum: 27.01.2006


Es kommt nicht so oft vor, dass Metalbands den Weg nach Chemnitz finden, umso sch√∂ner, dass es diesmal auch ein paar interessante waren. Ich hatte schon Bedenken, die erste Band zu verpassen, da ein oktroyiertes au√üerh√§usliches Abendessen, zu dem ich spontan als Fahrer auserkoren wurde, etwas l√§nger dauerte. So kam ich kurz nach acht Uhr am AJZ in Chemnitz an und musste feststellen, dass die T√ľren zum Veranstaltungsort noch gar nicht ge√∂ffnet waren. So bibberte ich mit den √ľbrigen Wartenden in eisiger K√§lte, bis dann irgendwann die T√ľren ge√∂ffnet wurden. Karten gab es keine (mehr), so dass ich nur einen riesigen Stempel auf die Hand gedr√ľckt bekam und dann mein J√§ckchen an der Kleiderkammer abgab. Nach Scherzen mit der Garderobendame (Sie: 'Das wird heute schwer beim Rausgeben: alles nur schwarze Jacken'), wurde im Vorraum einem jungen Menschen erkl√§rt, dass Burzum-Shirts im AJZ nicht so gern gesehen werden. Dazu sollte man vielleicht erw√§hnen, dass das AJZ (Alternatives Jugendzentrum) eher der linksgerichteten Szene zugetan ist. Im gro√üz√ľgigen (und auch zugigen) Hauptraum sammelte sich so langsam das angereiste Publikum und genoss die preiswerten Getr√§nke.

Transilvanian Beat Club
Transilvanian Beat Club



Um kurz vor neun Uhr kam dann die erste Gruppe des Abends Transilvanian Beat Club auf die B√ľhne. Die Gruppe besteht zu einem Gr√∂√üteil aus Eisregen-Musikern bzw. Leuten aus deren Umfeld (Fotos). Zu Beginn schien es so, als ob der Lichttechniker nicht am Platze war und die Leute von TBC beschwerten sich mit aufgesetztem rum√§nischen Akzent wo denn 'das Lichtman ist'. Nach zirka f√ľnf Minuten meinten sie, dass sie jetzt trotzdem anfangen. Komisch nur, dass das erste St√ľck auch von einem 'Lichtman' handelte, wonach es sich auch um einen Anfangsgag handeln k√∂nnte. Die Musik der Gruppe liegt zwischen Rock, Saufliedern und Metal. Lieder wie 'Vodka und Bier' oder 'Sex, Schnaps und Rock 'n' Roll' waren zwar lustig anzuh√∂ren, aber die Musik begeisterte nicht viele im Publikum, war sie doch etwas befremdlich und die Leute zu sehr auf den Auftritt von Eisregen fixiert. Mit ein wenig Alkohol im Blut sieht das Ganze wahrscheinlich anders aus. Ein St√ľck soll noch erw√§hnt werden: das Darkthrone-Cover von 'Transilvanian Hunger'. Da erkannte man dann doch noch die Wurzeln der Band, obwohl anscheinend eine Gitarre Probleme bereitete, was mir als jedoch aus Unkenntnis von Darkthrones Werk nicht weiter auffiel.

Nach einer halben Stunde Spielzeit folgte die zweite Band. Pungent Stench, die Splatter Death Veteranen aus Wien, spielten in Minimalbesetzung (Gitarre, Bass, Schlagzeug) Lieder ihrer alten und neuen Scheiben. Bei Klassikern wie 'Splatterday Night Fever' oder 'Viva la Muerte' kam im Publikum Stimmung auf, allerdings wohl nicht so sehr wie es sich Pungent Stench erw√ľnscht h√§tten. Zu nah war der Auftritt von Eisregen, was dann wohl auch die Band einsah und nach einer Zugabe ('Wenn ihr mehr von uns wollt, ruft Eisregen') dann die B√ľhne frei machte.

Schon in der kurzen Umbauphase hallten Eisregen-Rufe durch die Halle, sobald ein Bandmitglied zu sehen war. Als es dann losging, war die Menge kaum noch zu halten. Bei jedem Lied wurde mitgesungen, K√∂pfe wippten, Leute wurden hin und her geschubst usw. usf. Die Gruppe genoss die ihr zuteil kommende Aufmerksamkeit und spielte einen Hit nach dem anderen. Die neuen Sachen kenne ich nicht so, aber die unz√§hligen Eisregen-Fans schon; bei 'Elektrohexe' lie√ü Herr Roth gar das Publikum mitsingen. Mit Bedauern √§u√üerte sich der S√§nger, dass die Band leider nicht alle ihrer Lieder (im Original) singen k√∂nne, dass sie sich aber freuten, auf der Tour noch nicht verhaftet worden zu sein. St√ľcke die dann doch gespielt wurden, waren 'Herzblut', 'Meine tote schwedische Freundin' oder 'Komm' spiel mit mir'. Als es dann langsam zum Ende kam, spielte Eisregen als eine der Zugaben 'Th√ľringen' und bedankte sich so beim Karl-Marx-St√§dter Publikum. Trotz zahlreicher Rufe der Fans war der Auftritt nach einer Stunde vorbei und ich ging, ohne meine Favoriten ('Krebskolonie', 'Futter f√ľr die Schweine') geh√∂rt zu haben. Trotzdem war es ein stimmungsvolles Konzert mit frenetischen Fans.

Jetzt hie√ü es f√ľr mich, wieder ab in die n√§chtliche K√§lte. Allerdings war ich auch froh, aus dem Saal zu kommen, denn dort war es nicht minder kalt und es zog. Dieser Luftschwall blies mir fortw√§hrend in den Nacken, wodurch das Konzert etwas ungenehm in Erinnerung bleiben wird.

Wehrmut am 20.03.2000




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