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RFOR and the Bloody Rise of Dunkelgrafen...

Dunkelgrafen Konzert

Dunkelgrafen, Nox Intempesta, Riger

Ort: Schlettau / Lindenhof
Datum: 04.06.1999


Bisher dachten wir immer, Chemnitz l├Ąge auf dem ├Ąu├čersten Rand der Erd-Scheibe, hinter dem sich in s├╝dlicher Richtung ein bodenloses und endlos schwarzes Loch befindet. Ger├╝chte, wonach dort eine Mutantenwelt namens Erzgebirge mit zahllosen Kl├Âppel- und Schnitzkunstvereinen zu finden w├Ąre, taten wir als Firlefanz ab. Doch Anfang Juni diesen Jahres begab es sich, da├č unser Informationssp├Ąhdienst eine Veranstaltung ausfindig machen konnte, die jenseits des Randes, in einer Hinterr├Ąndlerkolonie namens Schlettau stattfinden sollte. Und wie es der Zufall so wollte, hatten sich f├╝r dieses Ereignis mit Dunkelgrafen, Nox Intempesta und Riger drei Bands aus der Metal-Szene angesagt.

Zun├Ąchst brach Freude in der V├Ânger-Gefolgschaft aus, hofften wir doch, da├č die uns├Ąglich blutdummen Dunkelgrafen ├╝ber den Rand stolpern und ins Nichts st├╝rzen w├╝rden. Bei genauerem Hinsehen aber bemerkten wir, da├č es sich bei Riger um eine durchaus sch├╝tzenswerte Band handelte, von der es nun drohendes Unheil abzuwenden galt. Also begann ich (Deadleft) Freiwillige f├╝r die RFOR (Riger Extraction Force) zu rekrutieren, was mit unvorhersehbaren Schwierigkeiten verbunden war. Der Musiksatan lie├č sich von Finanzimperialisten blenden und sagte blau├Ąugig f├╝r ein Gehirnw├Ąsche-Event zu, in der Hoffnung, dieses w├╝rde rechtzeitig beendet sein, um uns im Kampf gegen Dunkelgrafen und das Nichts unterst├╝tzen zu k├Ânnen. Es kam, wie es kommen mu├čte, der Termin zog sich in die L├Ąnge, auf der Autobahn war Stau und der Musiksatan von da an kein Kandidat f├╝r die RFOR mehr. Meine zweite Hoffnung Frank erwies sich wieder einmal als nicht gerade loyal und zog fleischliche Gen├╝sse einem z├╝nftigen Feldzug vor. Somit mu├čte oder durfte ich mit folgenden Kameraden Vorlieb nehmen: Cdr of FlArt Wehrmut (Commander of Flash Artillery), StKdr f TrW NIKE (Stabschef f├╝r Transportwesen) und KanFu Christ (Kanonenfutter). Unter meinem Kommando als OBefH GEOCONRFOR Deadleft (Oberbefehlshaber des deutschen Kontingents der RFOR) starten wir also am 4. Juni zur Rettungsaktion f├╝r einer hoffnungsvolle ostdeutsche Metal-Band. Als Streitwagen bestimmte ich das erst k├╝rzlich in den TrZg (Transportzug) aufgenommene neue Gef├Ąhrt von NIKE. Nach wenigen Kilometern Fahrt bereute ich diese Entscheidung. NIKE hatte den Begriff milit├Ąrische H├Ąrte zu 100% in Gestalt einer besonders sportlichen Federung umgesetzt, so da├č wir alle zwo- bis dreitausend Schlagl├Âcher im Umland Chemnitz nahezu ungefiltert zu sp├╝ren bekamen. Ich drohte sofort disziplinarrechtliche Schritte gegen den Fahrer an, der aber meine Kommandogewalt nicht akzeptieren wollte. Dem schlossen sich die verbleibenden Mitstreiter ├╝brigens an, so da├č ich gezwungen war, da├č Kommando geschickt unter scheindemokratischen Beschl├╝ssen zu verbergen. Als wir den Stadtrand von Chemnitz passierten, wurde ich einiger erstaunlicher Dinge gewahr: S├╝dlich von Chemnitz tat sich n├Ąmlich ├╝berhaupt kein Loch auf, vielmehr schlo├č sich dort eine zun├Ąchst h├╝gelige und sp├Ąter bergige Landschaft an, die tats├Ąchlich den Namen Erzgebirge trug und ganz wirklich mit hunderten Kl├Âppel- und Schnittzvereinen ├╝bers├Ąt war. Das RFOR-Mandat wurde damit nat├╝rlich hinf├Ąllig, die Befehls- und Kommandostruktur sofort aufgel├Âst. Trotzdem liesen wir uns den Spa├č nicht verderben und setzten unsere Fahrt fort.

Auf mir immer noch unbegreiflichen Wegen gelangten wir dann in das vertr├Ąumte D├Ârfchen Schlettau, wo wir mittels einer ausgezeichneten Beschilderung auch schnell den Lindenhof fanden. Auf dem noch fast leerem Parkplatz verpflegten wir uns erstmal mit tschechischen Keksen, die Wehrmut unentwegt anpries und beobachteten l├╝stern, wie aus der wohl in der N├Ąhe gelegenen Sporthalle vereinzelt frisch geduschte Sportlerinnen quollen. Das Vorhaben, angedenk unserer Ex-RFOR-Mission diese Stellung 'zu nehmen' gaben wir dann aufgrund ausgepr├Ągtem Pflichtbewu├čtseins aber auf. An den T-Shirts der anderen angereisten Fans konnte man erkennen, da├č Dunkelgrafen wohl ihren gesamten regionalen Anh├Ąngerkreis mitgebracht hatten. ├ťbrigens glaubten wir auch in einem ziemlich kr├Ąftig gebauten Typen Levethian von Eminenz erkannt zu haben. Am Eingang befestigte Wehrmut zun├Ąchst unsere V├Ânger-Propaganda ehe wir bemerkten, da├č der tats├Ąchliche Eintrittspreis um genau die H├Ąlfte h├Âher lag, als in unserer Informationsquelle angegeben. Wir zahlten dennoch und betraten eine gew├Âhnliche Dorfgasthofstube. Als wir aber den angebauten Saal betraten, waren wir freudig ├╝berrascht, da er von erstaunlicher Gr├Â├če war und druchaus mit den Dimensionen in Fraureuth oder Werdau mithalten konnte. Auf der rechten Seite hatte Ars Metalli einen gut sortierten Merchandisingstand mit erfreulichen Preisen aufgebaut, der Wehrmut und mich dazu bewegte, ein kleines Souvenir zu kaufen. Das Konzert begann zwar erst eine Stunde sp├Ąter als angek├╝ndigt, aber das konnten wir leicht verschmerzen, da auf der dem erw├Ąhnten Stand gegen├╝ber liegenden Seite einige lange Tische und zahlreiche St├╝hle zu finden waren, von denen wir auch sogleich eine angemessene Anzahl okkupierten.

Als Wehrmut meinte, am Nebentisch w├╝rden die Leute von Riger sitzen, hielten wir ihn f├╝r wahnsinnig und wollten ihn fast schon ordentlich verdreschen. Anfallsprophylaktisch sozusagen. Als Riger dann die B├╝hne betraten und wir feststellten, da├č es eben jene vom Nachbartisch waren, leckten wir ihm dann die Stiefel, womit er sichtlich zufrieden war. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich zirka 120 Personen in geh├Ârigem Abstand (5-7 Meter) zur B├╝hne versammelt und folgten von da an teilnahmslos dem Riger-Gig. Der Sound war fast perfekt, selbst das Keyboard war sehr deutlich zu vernehmen. Leider aber teilweise auch mehr als nur einmal, da die W├Ąnde des Saales die hohen T├Âne dieses Instrumentes reflektierten. Das Publikum blieb v├Âllig regungslos, w├Ąhrend die Th├╝ringer ihre durchaus originelle Mischung aus d├╝steren Gitarrenmelodien und hinrei├čend ekstatischen Keyboardsounds feilboten.
Dannach betraten die Berliner von Nox Intempesta die B├╝hne, denen wir nur ganz am Anfang mal kurz unsere Aufmerksamkeit widmeten. Auch wenn sie schon im Vorprogramm von Mayhem gespielt haben, durchweg gew├Âhnlich brutal-satanischen Black Metal geh├Ârt nicht zu unseren Vorlieben. Zudem kratzte der Bass ziemlich aufdringlich, gest├Ârt scheint's niemanden zu haben.

Das
Das 'begeisterte' Publikum


Wir nutzten die Zeit und st├Ąrkten uns am Auto f├╝r Dunkelgrafen mit o.g. Keksen und diversen Getr├Ąnken. Als Wehrmut und ich Dunkelgrafen live in Chemnitz erleben durften, waren wir erwiesenerma├čen nicht sehr angetan, eine zweite Chance wollten wir ihnen dann aber doch noch geben. Und zu meiner ├ťberraschung klang das, was nun von der B├╝hne kam, alles andere als schlecht: Eing├Ąngiger, melodi├Âser Black Metal mit zwei S├Ąngern, die abwechselnd oder simultan kreischten und grunzten. Begleitet wurde dies von einem Keyboard, das wie bei den Vorgruppen sch├Ân in den Vordergrund gemixt war und auf pr├Ągnante Weise die Melodien vorgab. Als Besonderheit boten die Sachsen noch eine h├╝bsch klischeehaft satanische B├╝hnenshow. Schon die Dekoration mit Kerzenst├Ąndern, Ziegensch├Ądeln und einer mannsgro├čen Teufelsfigur mit einem Zeigenbockkopf lie├č keinen Zweifel am blasphemischen Tun der Band. S├Ąnger Dunkelgraf pers├Ânlich griff recht oft zu einem monstr├Âsen Goldkelch, aus dem er eine dickfl├╝ssige, dunkelrote Fl├╝ssigkeit trank bzw. diese b├Âse ├╝ber sich oder vor die B├╝hne spukte. Ob das Blut gewesen ist, k├Ânnen wir nicht sagen, davon auszugehen, w├Ąre aber sicherlich falsch. Hin und wieder wurde das Gef├Ą├č zwei eifrigen Headbangern gereicht, die begeistert davon tranken und sich gegenseitig damit besudelten. Die Zuh├Ârerschaft war ├╝brigens jetzt nicht mehr so reserviert, der Abstand zur B├╝hne sank rapide auf drei Meter. Genau die richtige Entfernung um gerade noch etwas W├Ąrme von den beiden extragro├čen Fackeln zu sp├╝ren, die, nachdem man sie entz├╝ndet und zum Simultanfeuerspucken verwendet hatte, links und rechts des teuflischen Gesells auf der B├╝hne befestigt wurden. Einen kleinen Eindruck von alldem kann man sich durch die Fotos von Wehrmut verschaffen.

Inzwischen war es schon weit nach Mitternacht und Christ konnte nur unter Aufbietung aller Kr├Ąfte am Einschlafen gehindert werden, so da├č wir beschlossen, wieder gen Heimat zu fahren. Unterwegs hielten wir nochmal an einem Automarkt an, auf dem sich Christ (der eigentlich sooo m├╝├╝de war) zusammen mit Wehrmut noch nach einem potentiellen zuk├╝ftigen Streitwagen umsah. So wie es derzeit aussieht, wird der allseits beliebte Preu├čen-Porsche demn├Ąchst durch ein neueres Gef├Ąhrt ersetzt.

Deadleft am 05.06.2005




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