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Mi├čt├Âne und Tonmaitressen

Heidenfest Festival 2008

Primordial, Finntroll, Eluveitie, Månegarm, Catamenia, Equilibrium, Enslaved, Dyrathor, Thyrfing, Eisregen

Ort: Dortmund / Westfalenhalle 2
Datum: 08.11.2008


Der Herbst bringt nicht nur Laub und Regen sondern wartet mit einer Menge an Konzerten und Hallen-Festivals auf. Die Woche davor das Ultima Ratio und nun das Heidenfest - beide im Ruhrgebiet, beide mit vorwiegend Pagan Bands und beide gut besucht. Obwohl es auch diesmal wieder hie├č, elf Stunden am St├╝ck guten Bands zu lauschen, kamen an die 3000 Besucher und bef├╝llten die Dortmunder Westfalenhall 2, in die die Veranstaltung vom Turock verlegt wurde. Das Interieur und da besonders die Deckenleuchter erinnerten mich ein wenig an die Lampen in schmucken 60er Jahre DDR-Prunkbauten.
Nachdem meine Akkreditierungsanfrage unbeantwortet blieb und man mir auch an der Kasse nicht weiterhelfen wollte, reihte ich mich in die Reihe der Wartenden ein. Zumindest konnte ich die Kamera mit in die Halle nehmen und habe dann, gem├╝tlich sitzend weil der Fotograben tabu war, die Bilder aus der Ferne gemacht. Etwas verwirrend waren auch die vorab erh├Ąltlichen Ank├╝ndigungen. Einmal hie├č es auf der Seite vom Turock und auf den Karten, Einla├č w├Ąre 13.00 Uhr und Beginn der ersten Band 14.00 Uhr, dann hie├č es im Forum die erste Gruppe spielt schon 13.15 Uhr und an dem ausgeh├Ąngten Spielplan stand etwas von Einla├č 12.30 und erste Gruppe 13.00 Uhr. Nun denn, 13.00 war Einla├č und die erste Gruppe spielte dann eine halbe Stunde sp├Ąter.

So denke ich, da├č dadurch viele den Auftritt von Dyrathor verpa├čt haben. Die Nachwuchsgruppe ist durch ein Voting zu der Ehre gekommen, das Festival er├Âffnen zu d├╝rfen. Die Jungs spielten eine Mischung aus Black/Viking/Folk Metal mit Schreigesang & Geigenuntermalung und konnten den schon zirka 300 Personen vor der B├╝hne einheizen. Man sah zwar noch, da├č die B├╝hnenerfahrung fehlte und manches etwas tapsig wirkte, die Musik war allerdings ganz nett. Bei einem St├╝ck war die Geige oder ein ├Ąhnlich klingendes Instrument von Band eingespielt worden, was ein wenig verwirrte. Daf├╝r war das Schlagzeug recht fein. Am Ende bleib jedoch keine Zeit f├╝r Zugaben und der Auftritt wurde au├čerdem vom Beleuchter mi├čbraucht, um die M├Âglichkeiten der Lichtanlage zu testen, so da├č mal dieser, mal jener Lichteffekt ausprobiert wurde.
Nach einer Umbaupause (in der penetrant immer wieder AC/DC ├Ąhnliche Musik gespielt wurde) die f├╝nf Minuten l├Ąnger w├Ąhrte, kamen M├ąnegarm auf die B├╝hne. Die Verz├Âgerung war notwendig, da der Sound nicht so recht funktionieren wollte und das ganze Festival ├╝ber an den B├╝hnenmonitoren herumgedoktert wurde. Soviel schon einmal vorab gesagt. Die Schweden spielten indes bodenst├Ąndigen Pagan Metal vor nunmehr 800 Besuchern und widersetzten sich den Problemen mit den Boxen. ├ähnlich erging es Catamenia, deren Alben seit jeher ein Wolf ziert. Durch einen schnellen Umbau war man wieder im anvisierten Spielplan, so da├č die Finnen 30 Minuten lang ihren Melodic Black/Death Metal spielen konnten. Nach einem Intro, welches mich stark an Henry Purcells 'Funeral music of Queen Mary' erinnerte, legten die Mannen los. Solange es dabei blieb klangen sie recht gut, allerdings sobald die cleanen Vocals zum Einsatz kamen, gefiel es mir nicht mehr. Das ganze klang dann etwas schr├Ąg. Einzig das letzte St├╝ck war hymnisch genug, so da├č man die Stimme darin ertragen konnte.

Månegarm
Månegarm



Weiter ging es mit Equilibrium, den heimlichen Headliner der Herzen. So f├╝llte sich denn der Saal auch mit allen 3000 Besuchern und wie eh & jeh waren viele junge Zuh├Ârer und -schauer anwesend. Die provokativ angebrachte Bayernflagge wurde geradeso toleriert und auch da├č das Schlagzeug vom Band kam, da der Drummer im Krankenhaus war, denn alles wurde wieder mit der Musik wett gemacht. Zwar klang manches Lied doch recht computerlastig (Wo kam das Akkordeon her?!) und der Sound war mal wieder grottig, doch davon lie├čen sich die Fans nicht abhalten und feierten jedes Lied kr├Ąftig mit. Die Musik der Gruppe kann man nicht gerade als kompliziert bezeichnen oder als kompositorische Meisterleistung wie von Opeth etwa, aber die simplen Kl├Ąnge sind wohl auch der Erfolg der Gruppe da sie jeder noch so alkoholisierte Fan oder Ersth├Ârer mitsingen kann. Nat├╝rlich war dies auch bei 'Met' der Fall und so kochte die Halle wohl wie kein zweites Mal an diesem Abend (au├čer vielleicht bei Finntrolls 'Trollhammaren').
Danach kamen Thyrfing und hatten somit die ungl├╝ckliche Rolle, die m├╝de Masse wieder in Schwung zu bringen. Obwohl ich mir von dem Auftritt einiges erwartet hatte, ging dieser ohne gro├če H├Âhepunkte an mir vor├╝ber. Ein altes St├╝ck erkannte ich und dies wurde auch von der Menge bejubelt, aber ansonsten konnte Thyfing die tr├Ągen Fans nicht in Rage versetzen - und das lag nicht nur daran, da├č es aus den Boxen bratzelte und diesmal sogar f├╝r einige Minuten das Mikrofon aussetzte und der S├Ąnger von weitem aussah, wie ein Fisch an der Frischluft. Vielleicht lag es auch daran, da├č nur noch ein Drittel der Besucher anwesend waren und dies somit die Stimmung dr├╝ckte. Jedenfalls war auch die Band sichtlich unzufrieden.
Bei Eluveitie, die gegen 17.45 Uhr auf die B├╝hne kamen, war die Halle wieder voll. Anscheinend ist die 'Stimmungsmusik' des Folk Metal gepaart mit ein paar Fideln eher tanzbar als der grimmige Black Metal - und der P├Âbel will nun einmal unterhalten werden und keine halbst├╝ndigen Gitarrengewitter h├Âren (zumindest nicht auf einem Konzert). So war es f├╝r die Band ein leichtes, die Fans zum H├Ąndeklatschen und H├╝pfen zu animieren, denn die Instrumentierung bot einiges. Drehleier, Akustikgitarren, Violine, Fl├Âten etc. pp. Ich hatte auch manchmal das Gef├╝hl, da├č die drei Elektrogitarren und das Schlagzeug nur Beiwerk waren um den Rest zu untermalen. Zumindest konnte ich keine konkreten Melodien erh├Âren, die von den Gitarren getragen wurden. Aber das kann wie erw├Ąhnt auch am schlechten Sound gelegen haben, welcher hier bei den eher 'hellen' Instrumenten bisweilen etwas schrill wurde. Die Stimme des S├Ąngers war f├╝r mich ein wenig gew├Âhnungsbed├╝rftig, hatte sie doch eine Tendenz zum Metalcore. Nichtsdestotrotz war eine Stimmung wie in einem irischen Pub, so da├č die Band in 45 Minuten die Halle hei├č spielte und dann wieder an ein arme Black Metal Band ├╝bergab.

Dies waren nun Enslaved. Die Norweger waren hei├č erwartet und der H├Âhepunkt der 'Extended Show' f├╝r viele Angereiste. W├Ąhrend sich abermals 2/3 der Leute zu den Bier- und Merchandisingst├Ąnden, in die Raucherecke oder die sanit├Ąren Anlagen verzogen, k├Ąmpfte Enslaved mit Soundproblemen und ersch├Âpften Fans. Obwohl der Auftritt f├╝r mich nicht so ├╝berragend war, gefiel es doch einigen anderen. Enslaved hatten wieder ihren Videoprojektor mit dabei um atmosph├Ąrische Bilder an die Wand zu werfen - dadurch war die Show nat├╝rlich sp├Ąrlich beleuchtet wodurch die zudem h├Âhepunktlosen Lieder so dahinrauschten. Mit 'Eld' kam wieder etwas Stimmung in den Saal, ansonsten h├Ątte man jedoch auch die Augen schlie├čen k├Ânnen weil man sowieso nichts sah - und ob der technischen Probleme am Mischpult h├Ątte man zudem auch die Ohrst├Âpsel noch tiefer in die Geh├Ârmuschel dr├╝cken m├╝ssen.
Danach kam mein Hauptgrund des Erscheinens beim Heidenfest Festival: Primordial. Alan begr├╝├čte erst einmal alle als 'my friends', was er auch das ganze Konzert ├╝ber so durchhielt. Mit zahlreichen St├╝cken vom 'To the nameless Dead'-Album konnte die Gruppe etliche Besucher aus den Vorr├Ąumen zur├╝ck in die Halle holen und sicherlich waren auch einige Ohren dabei, welche die K├╝nste und markante Stimme Alans vorher noch nicht geh├Ârt hatten. Mit vollem K├Ârpereinsatz sang er die neuen und alten St├╝cke und begeisterte die Menge (viel zu kurze) 60 Minuten lang. Die Musik und die Dynamik der St├╝cke rei├čt die Zuh├Ârer einfach mit.

Danach kamen im Prinzip die Headliner des Festivals (Finntroll), obwohl man bei den aufgebotenen Gruppen keinen definitiven Hauptact herauskristallisieren kann (und m├Âchte). Nun waren wieder alle Fans im Raum und so konnten die Finnen beruhigt ihren Lieder unters Volk bringen. Die St├╝cke waren an sich gut, jedoch konnte man das Keyboard nicht h├Âren und somit fehlte der gewisse 'Kick' in dem Auftritt. Zu 'Trollhammaren', welches immer wieder gefordert wurde, tanzte dann auch jeder im Saal. Ich nutzte derweil die Gelegenheit und begutachtete die St├Ąnde au├čerhalb. Als ich und zeitgleich Finntroll fertig waren, trabte die Menge nach au├čen und der Gro├čteil wohl auch von dannen, denn es folgte mit Eisregen eine Gruppe, die nicht jedermanns Geschmack ist (und somit wohlweislich auch an den Schlu├č des Abends gesetzt wurde).
Die noch anwesenden etwa 500 Fans der Gruppe erwarteten eigentlich nur, da├č 'Krebskolonie' gespielt wurde und forderten es auch immerfort w├Ąhrend den Spielpausen. S├Ąnger Roth wurde jedoch nicht m├╝de zu erw├Ąhnen, da├č das St├╝ck nicht hier sondern nur auf den direkt ausgewiesnen ├ť18-Shows gespielt wird. Auch andere Lieder wurden ausgelassen und so wurde der Auftritt mehr oder weniger belanglos. Morbide Texte und ein wenig Keyboardgeklimper reichen nicht aus, um gro├čartig voranzukommen. Eisregen zehrt meiner Meinung nach nur von den Krebskolonie- und Farbenfinsternis-Alben und hat deshalb einen gewissen Ruf. Die gespielten St├╝cke jedoch waren ohne jeden H├Âhepunkt. Nur bei 'Elektrohexe' konnte der Fu├č etwas mitwippen. Was mir als eigentlich alter Eisregenfan (die fr├╝hen Sachen) fehlte war mir nach einigen Liedern klar: 2T mit ihrer Violine. Das Keyboard ist kein ad├Ąquater Ersatz f├╝r die bitters├╝├če Stimmung, die sie mit ihrer Violine in die St├╝cke einbrachte. Da traf noch Sch├Ânheit & Herz-Schmerz auf die grausigen Texte und kontrastierte das Schauspiel - das hatte noch eine gewisse ├ästhetik, einen unheiligen Glanz. Heute spielt die Frau an den Tasten zuweilen nur mit einer Hand, was die Dimensionen der Melodien schon erahnen l├Ą├čt. P├╝nktlich 23.45 Uhr wurde dann der Auftritt von den Veranstaltern abgew├╝rgt, obwohl die Band noch einen Titel spielen wollte.

Was bleibt am Schlu├č ├╝ber das Festival zu sagen!? Die technischen Probleme mit dem Sound waren sehr st├Ârend sind f├╝r eine schon laufende Festivaltour bzw. die Veranstalter besch├Ąmend. Die Auswahl der Gruppen war gut, wobei die Black Metaller und Eisregen musikalisch nicht in den Reigen pa├čten - was sich auch an den Personen vor der B├╝hne widerspiegelte. Das Rauchverbot im Saal war ein Witz, denn nicht einmal die Security k├╝mmerte es, wenn direkt neben ihnen geraucht wurde. So war wieder einmal alles vom Gestank der Zigaretten durchzogen. Jedoch war der Raucherbereich im Vorraum noch schlimmer: Diesen konnte man schon von weitem sehen - oder eben gerade nicht...

Wehrmut am 10.11.2008




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