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Genie und Wahnsinn...

No Mercy Festival Part III

Morbid Angel, Emperor, Impaled Nazarene, Limbonic Art, The Crown, Peccatum

Ort: Glauchau / Alte Spinnerei
Datum: 10.04.1999


Auf den Tag genau ein Jahr nach dem zweiten No Mercy Festival fand im th√ľringischen Glauchau die dritte Auflage des erfolgreichen Events statt, was nat√ľrliche bedingungslose V√∂nger-Pr√§senz nach sich zog. Nachdem im letzten Jahr noch sechs V√∂nger-Members mit von der Partie waren, bestand die diesj√§hrige Abordnung aus nur zwei Personen: Christ und mir (Deadleft). Der Rest war entweder zu bl√∂d sich eine Eintrittskarte im Vorverkauf zu besorgen (nix f√ľr ungut, Frank, an der Abendkasse h√§tte es noch reichlich Karten gegeben...) oder √ľberhaupt an nur einer einzigen Band interessiert bzw. 'unp√§sslich' war. Also machten wir uns im Pr√łtzer auf den langen Weg in die alte Spinnerei nach Glauchau. Auf der Fahrt bastelte Christ noch eilig ein paar V√∂nger-Propaganda-Flyer, der √ľbersch√ľssige Verschnitt wurde dabei '√ľberraschend' von einem 'Wind'sto√ü durchs ge√∂ffnete Fenster mitten auf die A4 geweht. Am Veranstaltungsort angekommen, stellten wir anhand der Parksituation fest, da√ü die angek√ľndigten Bands in der Summe ein gro√ües Publikum abdecken. Das Innere der Alten Spinnerei war diesem Publikumsansturm aber nicht gewachsen, der Saal viel zu klein, die Raumaufteilung vor allem im Eingangsbereich zu verwinkelt. So sch√∂n eine, den ganzen Raum umlaufende, Galerie auch sein mag, in der Stadthalle Werdau oder in einem √§hnlich gro√üen Saal w√§re die Veranstaltung wohl besser aufgehoben gewesen.

Lord PZ von Peccatum
Lord PZ von Peccatum



Der Merchandisingstand war in seiner Auswahl und den Preisen einfach nur l√§cherlich, lediglich drei CDs, ein PicLP und zwar vielf√§ltige aber ma√ülos √ľberteuerte Textilien wurden dort angeboten. Nachdem wir uns f√ľr die Fotos positioniert hatten, betraten auch schon Peccatum die B√ľhne und zeigten eine interessante 30-min√ľtige Show, die auf zweisp√§ltige Reaktionen im Publikum stie√ü. Die Band um Ihriel und Lord Pz spielte avantgardistisch angehauchten, kompositorisch verzwickt-unkonventionellen Metal mit hochfrequentem Frauengesang und einer Kreischstimme, angereichert mit Anleihen aus dem Gothic- und Black-Metal. Obwohl ich mich mit dieser Art von weiblichem Gesang, auch provoziert durch den inflation√§ren Gebrauch in zahllosen Black- und Gothic-Produktionen, nur schwerlich anfreunden kann, war der Auftritt ein gelungener Auftakt. Selbst Ihsahn pers√∂nlich lie√ü sich herab und steuerte einige Gesangseinlagen bei. Zudem konnte die Band durch ein f√ľr dieses Musikgenre eher un√ľbliches B√ľhnengebaren √ľberzeugen: Vor allem Lord Pz und Ihsahns Frau Ihriel vermochten dem Auftritt durch ihre gekonnt eingestreuten theatralischen Einlagen noch in seiner Attrktivit√§t zu steigern. Doch nicht jeder konnte sich mit diesen ungew√∂hnlichen Kl√§ngen anfreunden, einige suchten noch w√§hrend der Show das Weite.

Bei Limbonic Art standen wir dann beide ganz vorn und ergaben uns sofort dem astralen Sog von Daemon und Morfeus. Eingeleitet wurde dieser mit 'In Abhorrence Dementia' in durchaus brachial-d√§monischer Weise. Es ist zwar fraglich, ob ein solch verh√§ltnism√§√üig brutaler Song als Introduktion dramaturgisch gut wirkt, beim Publikum kommt es aber meistens gut an. Der Sound war au√üerordentlich gut, Gitarren, Keyboard, Drumcomputer und weiblicher Gesang gl√§nzend voneinander zu unterscheiden. Gespielt wurden gr√∂√ütenteils Songs von 'In Abhorrence Dementia', doch mit 'Moon in the Scorpio' und dem Schlu√üsong 'Darkzone Martyrium' wurde, zur Freude vieler Fans, auch vom Debut zitiert. Vermi√üt habe ich aber die wolfsheulen√§hnlichen Vocals von diesem Album, trotzdem, erfreuen konnte man sich dennoch an den St√ľcken. √úberhaupt wurden einige Keyboardparts von der ersten Scheibe in moderner, eher dem zweiten Longplayer zuzuordnenden, Weise interpretiert. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, nicht wenige zeigten sich sichtlich begeistert von dieser wirklich einzigartigen Gruppe.

Die dannach auftretende Band The Crown konnte uns dagegen weniger begeistern: Schwedischer Black/Death-Metal mit vokalistischen Hardcore-Anleihen lagen nicht wirklich in unserem Geschmacksspektrum. Der Sänger schien bester Bierlaune und pries ständig die dessen Qualität ('Cheers') und die der deutschen Konzertlandschsaft ('Germany is fucking great'). Während der ganzen Show legte sich die komplette Band gut ins Zeug und headbangte im metallischen Takt. Die Resonanz war nicht schlecht, doch gegen Ende des Gigs schien ein allgemeines Stimmungstief durch die Reihen zu gehen.

Die f√ľr Absu eingesprungene finnische Extrem-Band Impaled Nazarene und vor allem deren S√§nger hatte dannach sichtliche Konditionsprobleme w√§hrend der Show. Mika stand st√§ndig Schwei√ü auf der Stirn und seine Zunge vollf√ľhrte nach fast jedem Textabschnitt hechelnde Bewegungen. Musikalisch sind Impaled Nazarene recht heftig, trotzdem aber nicht uninteressant: Black Metal im Geschwindigkeistrausch mit rotziger Punk-Attit√ľde und leichtem Grindeinschlag. Das Publikum zeigte sich nur m√§√üig begeistert, doch als die Band die B√ľhne verlie√ü, kehrte wieder Leben in die Spinnerei ein. Denn nun sollte der m√§chtige Kaiser den Saal erbeben lassen. Auch wir sicherten uns sofort Pl√§tze direkt vor der B√ľhne und beobachteten gespannt die Vorbereitungen auf der B√ľhne. Nach einem kurzen Intro war es dann soweit, Emperor betraten die B√ľhne und legten mit 'Curse You all Man!' sofort gl√ľhende Kohlen in die erwartungsvoll lodernden Seelen aller anwesenden Emperor-Fans. Ohne √úbergang ging es sofort mit 'Decrystallizing Reason' weiter, ehe Ihsahn das tosende Publikum begr√ľ√üen konnte. Doch mit jedem gespielten Song wuchs in mir das Grauen und der Zorn, machte mich das, was ich h√∂ren mu√üte schier wahnsinnig. Der Sound bei diesem Auftritt war das allerhinterletzte √ľberhaupt. Man stelle sich 'With Strength I Burn', neben 'The Loss and Curse of Reverence' wohl einer der besten post-eclipse'schen Songs √ľberhaupt, mal ohne Leadgitarre vor. Eben jenes Instrument lie√ü sich n√§mlich gerade mal so erahnen. Aber auch nur, wenn man genau wu√üte, an welcher Stelle man den Einsatz der Lead-Gitarre zu erwarten hatte. Desweiteren war das Keyboard v√∂llig unh√∂rbar, geanuso wie die Backgoundvocals des Bassisten und des eigens daf√ľr mit Kopfmikrophon ausgestatteten Keyboarders. Somit waren die Rhythmsugitarre von Samoth und das Schlagzeug die einzigen Instrumente, die man wohlwollend als Indizien f√ľr die musikalische Pr√§senz h√§tte bezeichnen k√∂nnen. Egal ob 'Inno a Satana', 'Sworn', oder 'Night of the Graveless Souls' vom Split-Album mit Enslaved, s√§mtliche Songs wurden ihrer gewaltigen Atmosph√§re und des Ausdrucks vollkommen beraubt, jeder H√∂rgenu√ü verg√§llt. Eigentlich galt mein Interesse im Vorfeld der Live-Umsetzung der auf 'IX Equilibrium' eingesetzten Gitarreneffekte, aber r√ľckblickend w√§re ich froh gewesen, wenigstens einmal einen kompletten Song in vollst√§ndig akustisch erkennbarer Emperor-Besetzung geh√∂rt zu haben. Gut, Ihsahn selber stelle eindrucksvoll unter Beweis, wie gut es um seine vokalistischen F√§higkeiten bestellt ist, vor allem bei den klaren Gesangslinien √ľberzeugte er durch ein enormes Stimmvolumen.

Ma√ülos entt√§uscht zog ich dann mit Christ √ľber den Parkplatz und klemmte die extra vorher angefertigte Propaganda unter zahllose Scheibenwischer. Als wir wieder zur√ľckkamen, hatten die Headliner des heutigen Abends Morbid Angel schon angefangen zu spielen. Der Weg zur B√ľhne war v√∂llig von den Massen verstellt, weshalb wir es uns ersparten, nocheinmal zu versuchen zur B√ľhne zu gelangen. Morbid Angel spielten spieltechnisch vielseitigen Death-Metal mit aberwitzig abwechslungsreichem Drumming, einer h√∂llisch tiefen und kraftvollen Stimme und unendlich vielen Gitarrensolis. Letztere waren in ihrer Schnelligkeit und Pr√§zision wirklich ein Schmaus f√ľr Augen und Ohren, zumal auch der Sound druckvoll und h√ľbsch differenziert r√ľber kam. Nach wenigen Songs aber zogen wir uns dann zur√ľck und traten die Heimreise an, w√§hrend der ich Christ f√ľr Arcturus ('...ich wu√üte gar nicht, da√ü die so gut klingen') und Burzum ('so'n dominantes Keyboard find' ich geil...') begeistern konnte.

Resum√©e f√ľr diesen Abend: 1. Limbonic Art sind einfach g√∂ttlich und 2. selbst die begnadetsten Musiker (zu denen ich die von Emperor z√§hle) k√∂nnen gegen einen schlicht grottenschlechten Sound nichts ausrichten. F√ľr den Fan mu√ü das es einer Verarschung gleichkommen, da man sich das Eintrittsgeld auch h√§tte sparen k√∂nnen.

Deadleft am 05.06.2005




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