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Enslaved mal ganz gemĂŒtlich

European Spring Rite Tour

Enslaved, Winterfylleth

Ort: Hamburg / Logo
Datum: 04.04.2013


Die von mir durchaus geschĂ€tzten Enslaved hatte ich zuletzt 2011 beim Party.San­Festival auf einer BĂŒhne gesehen, weswegen mir jetzt die Zeit geeignet schien, die Band mal wieder in der stickigen und dĂŒsteren AtmosphĂ€re eines Clubs zu erleben.

Zur UnterstĂŒtzung hatten sie fĂŒr den grĂ¶ĂŸten Teil ihrer FrĂŒhjahrstournee 2013 die englische Band Winterfylleth dabei, die mir bis dato noch noch nicht untergekommen war. Eine Blitzrecherche im Vorfeld ergab zunĂ€chst die Erkenntnis, dass ich mich auf Black Metal mit leichtem Folkeinschlag einstellen konnte. Außerdem stieß ich auf einen alarmistisch formulierten Artikel, der unter anderem das lyrische Konzept der Band und den möglicherweise unbedarften Umgang mit NSBM­Bands wie Hate Forest kritisiert.

Auf der BĂŒhne waren dann vier Musiker zu sehen, die zumindest einer Sache völlig unverdĂ€chtig waren: NĂ€mlich Aufsehen erregen zu wollen. SĂ€nger Chris Naughton zum Beispiel ist gemĂŒtlich proportioniert und sah so aus als hĂ€tte er vor drei Stunden noch in einer Besprechung die aktuellen Verkaufszahlen einer englischen Papierfabrik diskutiert. Schlagzeuger Simon Lucas hingegen sieht mit seiner schnittigen Kurzhaarfriseur und dem an den Enden verzwirbelten Schnauzer wie ein veritabler Berliner Hipster aus. Auch musikalisch gab es nichts Besondereszu vermelden. Über weite Strecken wurden melodisch rasende Riffs aus der Black­Metal­Stanz­Fabrik sowie gelegentlich ein paar thrashige EinschĂŒbe vorgefĂŒhrt. Falls die Band tatsĂ€chlich ins rechte Lager gehört, ließ sich sich nichts dergleichen anmerken. Es waren weder verdĂ€chtige Symbole zu sehen noch konnte in den Ansagen zwischen den StĂŒcken irgendetwas in diese Richtung gedeutet werden.

Gegen Ende gab es aber dann doch noch eine Überraschung. Plötzlich tauchte eine Handvoll Leute auf, die selbstgebastelte Plakate mit kryptischen Slogans wie 'I love my brick' in die Höhe hielten, vor der BĂŒhne auf. Dazu kam noch ein in historischer Uniform gekleideter Herr auf die BĂŒhne und ĂŒberreichte dem verdutzten SĂ€nger Chris eine Zettel. Schließlich stellte sich heraus, dass es sich bei dem Haufen um Enslaved handelte, die wohl wĂ€hrend der Tour Freundschaft mit den EnglĂ€ndern geschlossen hatten und sich auf der letzten Station einen Spaß mit den Mitstreitern erlaubten. SĂ€nger Chris hatte danach jedenfalls sichtlich MĂŒhe, zu einer gewissen Ernsthaftigkeit zurĂŒckzufinden, ohne die sein Geschrei natĂŒrlich mehr als nur ein QuĂ€ntchen GlaubwĂŒrdigkeit einbĂŒĂŸte. Das Publikum bedankte sich jedenfalls am Schluss mit beherztem Applaus.

Lichtreklame
Lichtreklame



Enslaved spielten danach reichlich 90 Minuten lang einen abwechslungsreichen Querschnitt aus ihren mittlerweile 12 Studioalben. Neben einer ganzen Reihe Songs aus dem aktuellen Werk 'RIITIR' wurden sowohl frĂŒhe Werke wie 'AllfǫĂ°r OĂ°inn' oder 'Fenris' (von 1993 bzw. 1994) als auch das recht sperrige 'Convoys to Nothingness' vom ersten komplett englischsprachigen Werk 'Monumension' (2001) gespielt. Dabei vermittelte die Band einen wirklich sympathischen Eindruck. Statt den bösen Black­Metal­Krieger zu geben und buchstĂ€blich auf Gott und die Welt zu schimpfen, machte SĂ€nger Grutle zwischen den StĂŒcken jede Menge SpĂ€ĂŸe, stellte nachdem ersten Drittel die gesamte Band sowie die Tournee­Crew vor und bedankte sich beinahe ĂŒberschwĂ€nglich bei Winterfylleth fĂŒr die Tourneebegleitung. (Die EnglĂ€nder revanchierten sich ĂŒbrigens fĂŒr den Überraschungsauftritt von Enslaved indem sie mit aus Karton selbstgebastelten Wikingerhelmen und Schwertern auf die BĂŒhne kamen und ein paar Minuten lang Faxen machten.)

Als definitiv nachahmenswert empfand es dann auch, als die Band sich vorĂŒbergehend von der BĂŒhne verabschiedete und zunĂ€chst nur Schlagzeuger Cato Bekkevold zurĂŒckkam und dann erst einmal ein ausgedehntes Solo spielte bevor es mit der Zugabe weiterging. Der einzige Wermutstropfen bestand nur darin, dass bestimmte Titel nicht gespielt wurden. Mal wieder blieben die Alben 'Eld' und 'Blodhemn' unberĂŒcksichtigt und dieses Mal schien wohl leider auch keine Zeit mehr fĂŒr das MammutstĂŒck 'Slaget i Skogen Bortenfor' gewesen zu sein.

Musikalisch gehört das Werk der Norweger eigentlich unter den freien Himmel einer FestivalbĂŒhne. So oder so war es aber mal wieder ein Genuss, Enslaved aus nĂ€chster NĂ€he zuerleben. Vor allem SĂ€nger und Bassist Grutle sowie Lead-Gitarrist Arve Isdal ließen es sich keine Minute lang anmerken, dass sie bereits mehrere Wochen Tourstress in den Knochen hatten und suchten immer wieder Kontakt zum Publikum. Insgesamt machte diese umgĂ€ngliche Art zusammen mit der wie immer ĂŒberdurchschnittlichen Musik und dem ganz anstĂ€ndig abgemischten Sound den Auftritt zu einer durchweg unterhaltsamen Angelegenheit.

Deadleft am 17.04.2013




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