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Todesstrahlen aus dem Äther

Party.San Open Air XIV

Obituary, Behemoth, Legion of the Damned, Dismember, Skyforger, Farsot, Bolt Thrower, Bloodbath, Endstille, Deadborn, Purgatory, Unanimated, T├Żr, Kampfar, Lividity, Hail of Bullets, Tyrant, Defloration, Irate Architect, Impaled Nazarene, Maroon, Vreid, General Surgery, Koldbrann, Facebreaker, Insision, Imperious Malevolence

Ort: Bad Berka / Flugplatzwiese
Datum: 07.08.2008 bis 09.08.2008


Mittwoch
Wie jedes Jahr zu gleichen Zeit war Urlaub angesagt - und damit f├╝r uns Zeit beim Party.San zu entspannen. Die diesj├Ąhrige Musikauswahl war nicht sonderlich interessant, da etwa nur zwei bis drei Gruppen pro Tag in die pers├Ânliche Pr├Ąferenz fielen, jedoch f├Ąhrt man ja nicht wegen der Musik zu diesem Festival. Nach einigen Wirrungen wann wer eintrifft, diversen Puller-, Rauch- & Brechpausen und Verkehrshindernissen auf der Anfahrt traf unsere PSOA-Reisegruppe am sp├Ąten Mittwoch Mittag auf dem Festivalgel├Ąnde ein und konnte noch einen sch├Ânen Platz ergattern. Nachdem wir bei glei├čender Sonne unsere Behausung aufgebaut hatten, war es auch schon wieder an der Zeit, feste bzw. fl├╝ssige Nahrung zu sich zu nehmen, denn der Abend nahte.


Donnerstag
Nachdem der erste Urlaubstag ohne besondere Vorkommnisse verstrichen war, bekamen wir am Donnerstag einige G├Ąste. Zum einen die Reste unserer Untermieter und zum anderen Freunde, die sich dann doch nicht trauten, in unserer N├Ąhe zu ├╝bernachten sowie weitere Festivalbesucher. Diese wurden angelockt durch unsere Norwegenfahne und versuchten uns dar├╝ber aufzukl├Ąren, da├č es ein Frevel sei als Nichtnorweger so eine Flagge zu hissen (zwei Norwegerinnen) oder uns weiszumachen, da├č sie selbst Norweger seien (ein Hamburger). Au├čerdem wurde allzu gern unser Werkzeug entliehen, welches wir entweder gar nicht wiederbekamen oder von fachkundigen Werkzeugmachern dann in einer ihrer Auffassung nach n├╝tzlicheren Form.

Behemoth
Behemoth



Ab 20.00 Uhr startete dann der offizielle Konzertteil mit Purgatory auf der B├╝hne, einer Band aus der Region die auch schon im Jahre 2004 das PSOA beehrten. Die Deutschen lieferten als Opener eine solide Leistung ab und boten mit dem gespielten Death Metal f├╝r die Anwesenden gen├╝gend Anreiz, vor die B├╝hne zu kommen. Mit Deadborn ging es danach musikalisch ├Ąhnlich weiter, jedoch konnte uns deren monotoner Death Metal nicht aus der Reserve locken.
Anders war dies bei Farsot. Die deutschen Black Metaller waren einfach ├╝berzeugend. Mit ihrer ruhigen aber energischem Musik und den atmosph├Ąrischen St├╝cken bildeten sie einen willkommenen Gegenpart zu dem ├╝blichen Hau-Drauf-Metal und den kommenden Death Metal Bands. Durch den guten Sound war es eine Freude ihnen zuzuh├Âren und auch -schauen und angenehm, auf dem PSOA auch 20 min├╝tige Lieder zu erleben. Allerdings sind meine Hoffnungen gering, da├č dieses Lied auf die Festival-DVD kommt... F├╝r mich die beste Band auf dem Party.San. Auch gefreut haben wir uns auf Skyforger, die wir schon einige Male gesehen hatten und sie somit als Garant f├╝r gute Stimmung sahen. Leider mu├čte der von ihnen gespielte Mix aus Metal und Folklore ausfallen, da der zweite Gitarrist erkrankt war und somit nur eine Gitarre und Ba├č vorhanden waren. Die beiden versuchten jedoch das beste aus der mi├člichen Lage zu machen und spielten vorwiegend St├╝cke, bei denen der normale Metal im Vordergrund stand. So war es nicht ihr bester Auftritt, aber immerhin f├╝r das was in ihren M├Âglichkeiten stand recht gut.

Die eigentlichen Headliner Dismember war langweilig und f├╝r uns eher der Grund, im Backstage-Bereich einen Kaffee trinken zu wollen. Allerdings war der Ausschank ├╝berraschender Weise schon geschlossen, so da├č wir zur Unterkunft zur├╝ck gingen und wegen der einsetzenden K├Ąlte und des Regens entschlummerten.


Freitag
Am Morgen entschlossen wir uns, wie viele andere auch, die guten sanit├Ąren Einrichtungen zu besuchen. Ein Aufenthalt im WC-Container und eine Dusche (leider nur noch mit kaltem Na├č) machten aus uns wieder normale Menschen und manche nutzten dies durch die Hygiene-Flatrate auch intensiver. Nach dem Resteessen aus der K├╝hlbox und dem Versuch, die wenigen Sonnenstrahlen zu erhaschen, die zwischen den Wolken hindurch schienen, besuchten wir die erste Gruppe an diesem Tag.
Irate Architect waren angepriesen mit 'klingen wie Dying Fetus', jedoch konnten sie diese B├╝rde nicht voll tragen. Eher konnte man ihnen das Pr├Ądikat '├╝blicher Death Metal' zugestehen, denn jenen Vergleich. Auch die darauf folgenden Defloration waren f├╝r unser Ohr nichts Besonderes, so da├č wir den K├Âstlichkeiten von Nagelfood verfielen. Etwas besser wurde es dann mit Tyrant, die einen Mix aus Thrash und Black Metal spielten und mit ihrem dreckigen Sound schon auf dem richtigen Weg waren, uns zu gefallen. Sp├Ąter trafen wir sie noch im Backstagezelt und der Basser meinte in mir einen alten Saufkumpan von vor zehn Jahren zu erkennen - was ich freundlich verneinte.

Dem Auftritt von Hail of Bullets wurde von Vielen entgegen gefiebert, singt doch dort der Asphyx Frontmann Martin van Drunen. Ich konnte mit dem oldschool Metal nix anfangen und verzog mich, auch weil es regnete, ins Backstagezelt, wo gerade Tyrant Zungenk├╝sse beim Interview f├╝r die PSOA-DVD austauschten. Nachdem der Regen und der Krach vor├╝ber waren, lie├čen wir den Porn-Grinder von Lividity und ihrem Kehlkopfmassaker freien Lauf (man verstand sowieso nur 'Lulululu') und gingen zu den Wagen zur├╝ck, um uns f├╝r die kommenden Gruppen zu st├Ąrken.
Dies war n├Ąmlich als erste Kampfar, eine Gruppe deren Musik uns schon eine Weile begleitet hat. Wie ├╝blich mit freiem Oberk├Ârper, der im Sonnenschein golden gl├Ąnzte, boten die Norweger reichlich alte Klassiker ('Norse', 'Hymne') und konnten so viele der zahlreichen Black Metaller begeistern. Auch das dynamische agieren auf der B├╝hne trug dazu bei. So hofften wir da├č sich diese Stimmung auch bei den F├Ąringer T├Żr fortsetzt, allerdings wurden wir dann etwas entt├Ąuscht. Die Mischung aus Heavy & Viking Metal mit folkloristischen Einfl├╝ssen war recht dr├Âge. Irgendwie fehlte der rechte Pepp und so flogen die St├╝cke ohne nennenswerte H├Âhepunkte an einem vorbei. 'Unanimated' waren auch wir, als gleichnamige Gruppe mit ihrem alten Schweden Death-Metal auftrat. Diese Langeweile setzte sich, zumindest bei mir, beim Auftritt von Endstille fort. Konnten sie mich auf dem Party.San von 2004 noch einigerma├čen ├╝berzeugen, waren die letzten gesehenen Auftritte nicht sonderlich interessant f├╝r mich. Technisch und musikalisch m├Âgen sie super sein (und eine gro├če Anzahl des Publikums sah das auch so), aber f├╝r mich klingt es zu kompakt/monoton. Besser fand ich da schon Bloodbath, die druckvoll und energiegeladen ihren Death Metal pr├Ąsentierten und somit auch die Menge anheizten und f├╝r die Headliner Bolt Thrower einstimmten. Auffallend war nur, da├č sich der S├Ąnger nach jedem Lied bedankte; bei den Fans, den Organisatoren und allen anderen...

Mit etwas Versp├Ątung traten Bolt Thrower dann auch auf. Aufgefallen waren sie mir schon wegen ihrer rigiden Merchandise-Politik, alles selbst verkaufen zu wollen. So stand dann eigens ein Zelt nur f├╝r die Artikel von der Band im Gel├Ąnde und da sie nur Shirts verkaufen, wenn sie auf Tour sind, waren die Fans nat├╝rlich hei├č auf selbige mit der Folge, da├č die Textilien relativ schnell ausverkauft waren und nicht alle Fans bedient werden konnten. Routiniert bedient wurden sie dann jedoch beim Auftritt. Mit einfallslosem Death Metal der alten Schule wurde der Masse eingeheizt. Vielen schien es zu gefallen, ich zog es jedoch vor, teils aus Langeweile teils wegen des einsetzenden Regens, dem Geschehen zu entrinnen.


Samstag
Am nunmehr dritten und letzten Festivaltag begannen wir den kalten und verregneten Morgen mit einem 'Fleisch & Fleisch' Fr├╝hst├╝ck (mu├čte halt weg) und verpa├čten somit auch wegen erschwerter Verdauung die ersten drei Gruppen (Imperious Malevolence, Insision, Facebreaker). Das, was wir h├Ârten, klang jedenfalls nicht wie Cannibal Corpse (gem├Ą├č PSOA-Infoheft Insision), sondern wie ├╝blicher Death Metal ohne jedwede Besonderheit.
P├╝nktlich zu Koldbrann waren wir dann aber wieder pr├Ąsent vor der B├╝hne, um den typisch norwegischen Black Metal zu lauschen. Trotz der guten Darbietung kam bei dem verkaterten Publikum keine rechte Stimmung auf. Die besserte sich etwas, als die Kn├╝ppler von General Surgery mit ihrer blutverschmierten Kleidung auftraten. Druckvoll auf den Punkt gebracht ├╝berzeugten sie mir ihrem Grindcore.

Ein weiteres Schmankerl f├╝r uns waren die folgenden Vreid. Die rockigen Metalst├╝cke lie├čen das ein oder andere Bein bei uns mitwippen, wobei das Publikum auch mehr Engagement zeigte. Die Gruppe hatte sichtlich Spa├č am Auftritt, was sich durch die Darbietung auf der B├╝hne dann auch aufs Publikum ├╝bertrug. Danach kam die Metalcore-Band Maroon, so da├č wir lieber die Verkaufsbuden nach N├╝tzlichem absuchten, als dem Krawall zuzuh├Âren. Nachdem das vor├╝ber war, machten Impaled Nazarene mit ihrem Geschrei auf sich aufmerksam. Sie fanden es so gar nicht lustig, da├č w├Ąhrend ihres Auftritts mit einem pinken Gummiball im Publikum gespielt wurde. Als dann selbiger beim S├Ąnger Mika landete, kommentierte dieser das mit 'Fucking pink ball! This is a metal festival'. Das war dann auch schon der H├Âhepunkt des ansonsten durchschnittlichen Auftritts.

Als Legion of the Damned spielten, zogen wir es zuerst vor, bei Nagelfood etwas zu essen. Allerdings kamen wir z├╝gig wieder auf das Gel├Ąnde, denn die Holl├Ąnder rockten mit ihrem Thrash Metal ordentlich ab. Sie waren schon im Jahre 2005 auf dem PSOA, damals noch unter dem Namen Occult. Leider waren sie schon f├╝nf Minuten vor dem ausgewiesenen Zeitplan fertig, aber f├╝r uns waren sie die ├ťberraschung des Festivals.
Nachdem Behemoth fast 20 Minuten l├Ąnger als geplant f├╝r den Aufbau brauchten, zeigten sie wof├╝r das ganze n├Âtig war. Mit einer straff durchorganisierten und choreografierten B├╝hnenshow und der spieltechnischen Perfektion der Polen lie├čen sie klar erkennen, da├č sie mehr als w├╝rdig waren, der Headliner zu sein. Die Altherrencombo von Obituary konnte da nicht mehr viel dagegensetzen, au├čer ihren Kultstatus. In die Jahre gekommen, ben├Âtigten die Leute immer wieder Pausen, die zu meiner Freude mit z.B. einem Schlagzeugsolo ├╝berbr├╝ckt wurden. F├╝r mich der beste 'Titel' von Obituary. Der Rest war Routine und als ich sie 2006 sah, war bez├╝glich der Publikumsbegeisterung mehr los. Nichtsdestotrotz sicherlich f├╝r Viele eines der H├Âhepunkte beim Festival. Dann war es auch schon wieder vor├╝ber, das Party.San 2008, denn diesmal gab es keine Spa├čband im Zelt, was sehr schade war. Nur die Metal-Disco dr├Âhnte noch bis 9.45 Uhr und schlo├č wie eh & je mit ABBA ab.


Fazit
Musikalisch war dieses Jahr kaum etwas f├╝r Black Metaller zu holen. Selbst die Semiheadliner waren keine reinen Schwarzmetaller. F├╝r mich war Farsot die beste Band des Festivals, gefolgt von Vreid, Kampfar und Behemoth. Die ganzen Headliner waren ├╝berraschend alte Hasen (Dismember, Bolt Thrower, Obituary) und zogen somit auch viele langj├Ąhrige Fans an. Allgemein kann man sagen, da├č durch den teils heftigen Wind der Sound w├Ąhrend den Auftritten nicht immer optimal war. Je nachdem ob mal eine B├Âe kam, variierte das Geh├Ârte. Jedoch werden die Organisatoren von Jahr zu Jahr professioneller und jedes Mal gibt es weitere kleine Ver├Ąnderungen auf dem Festival, zumeist positive.
Erfreulich war, da├č es ansonsten keine Probleme gab. Die sanit├Ąren Anlagen waren optimal, Raufereien sind mir keine zu Ohren gekommen und die Atmosph├Ąre war wie immer super. Einzig die M├╝llproblematik ist uns aufgefallen. Warum m├╝ssen diese Drecksschweine den gesamten M├╝ll in der Gegend liegen lassen und schaffen es nicht, einen M├╝llsack zu gebrauchen. Das ist weder 'Metal' noch 'Camping' oder 'True'. Ganz im Gegenteil, widerspricht es doch der Verbundenheit des Metallisten mit der Natur. Kein Wunder, wenn 2009 das M├╝llpfand kommt. Dieses Jahr gab es Verkleidungen der Besucher in Form von Hasen, im Ganzk├Ârpergrastarnanzug, als Ballerina oder ganz einfach nackt - na ja, vielleicht hatte er noch Schuhe an.

N├Ąchstes Jahr wird das Party.San 15 Jahre alt - mal sehen was sich die Crew einfallen l├Ą├čt. Die jetzt schon bekannten Gruppen wie Satyricon, Marduk (zum x-ten Mal auf dem PSOA), Shining und Den Saakaldte lassen zumindest das Black Metaller-Herz h├Âher springen. Bleibt zu hoffen, da├č es nicht die einzigen Bands in diesem Genre bleiben. Und vielleicht gibt es auch wieder mal einen Ritterkampf zu sehen...

Wehrmut am 17.08.2008




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